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Datum nach Festtagen: Laetare, Jubilate und feria sexta umrechnen

„Am Sonntag Laetare“, „feria sexta post Jacobi“, „in vigilia Nativitatis“: In alten Einträgen, Urkunden und Urbaren steht oft kein Tagesdatum, sondern ein Fest oder ein Sonntag. Diese Seite erklärt, wie solche Datumsangaben funktionieren, wie Sie sie umrechnen und was die Kalenderreform von 1582 für die ältesten Kirchenbücher bedeutet.

Kurz gesagt: Früher datierte man gern nach dem Kirchenjahr. Die Sonntage um Ostern heißen nach den Anfangsworten der Messe – Laetare ist der vierte Fastensonntag, Jubilate der dritte Sonntag nach Ostern. Weil Ostern jedes Jahr anders fällt, müssen Sie diese Angaben mit dem Osterdatum des jeweiligen Jahres umrechnen; feste Heiligentage wie Lichtmess (2. Februar) oder Johannes der Täufer (24. Juni) bleiben gleich. Für das Umrechnen gibt es den „Grotefend“, auch online mit Rechner.

Wo Festdaten vorkommen

Wer nach Festen datierte, schrieb etwa „am Montag nach Jubilate“ oder „am Vorabend von Allerheiligen“. In den Tauf-, Trauungs- und Sterbebüchern sind seit 1784 Tag, Monat und Jahr vorgeschrieben, ältere Einträge nennen sie oft mit lateinischen Monatsnamen; wie Sie diese lesen, zeigt Latein im Kirchenbuch. Festdaten begegnen Ihnen vor allem dort, wo Sie über das Kirchenbuch hinausgehen: in Urkunden, Urbaren, Verfachbüchern und Übergabsverträgen – also bei der Hofgeschichte.

Die Sonntage um Ostern

Die Sonntage vor und nach Ostern tragen die Namen der Anfangsworte ihres Messeingangs (Introitus). Sie sind beweglich, weil sie am Ostertermin hängen:

Name Stellung
Septuagesima 9. Sonntag vor Ostern
Sexagesima 8. Sonntag vor Ostern
Esto mihi (Quinquagesima) 7. Sonntag vor Ostern
Invocavit 1. Fastensonntag, 6. Sonntag vor Ostern
Reminiscere 2. Fastensonntag
Oculi 3. Fastensonntag
Laetare („zu Mittfasten“) 4. Fastensonntag
Judica 5. Fastensonntag
Palmarum Palmsonntag, Sonntag vor Ostern
Quasimodogeniti (Dominica in albis) 1. Sonntag nach Ostern
Misericordia Domini 2. Sonntag nach Ostern
Jubilate 3. Sonntag nach Ostern
Cantate 4. Sonntag nach Ostern
Rogate (Vocem jucunditatis) 5. Sonntag nach Ostern
Exaudi 6. Sonntag nach Ostern

Die Sonntage nach Pfingsten werden gezählt („Dominica X post Pentecosten“); in evangelischen Gegenden zählt man oft nach Trinitatis, dem Sonntag nach Pfingsten – „5. nach Trinitatis“ ist dann der 6. Sonntag nach Pfingsten.

Feste Heiligentage

Heiligenfeste liegen jedes Jahr am selben Kalendertag. Einige, die oft in Datierungen vorkommen:

Fest Datum
Beschneidung des Herrn (Circumcisio domini) 1. Jänner
Mariä Lichtmess 2. Februar
Petri Stuhlfeier (Cathedra Petri) 22. Februar
Georg 23. oder 24. April, je nach Gegend
Johannes der Täufer 24. Juni
Mariä Himmelfahrt 15. August
Kreuzerhöhung (Exaltatio crucis) 14. September
Allerheiligen 1. November
Allerseelen 2. November

Manche Heilige wurden in verschiedenen Gegenden an verschiedenen Tagen gefeiert, wie das Beispiel Georg zeigt. Für Zweifelsfälle führt der Grotefend ein Heiligenverzeichnis mit den Kalendern einzelner Bistümer.

„Vigilia“ ist der Vortag eines Festes, „in octava“ der achte Tag, wobei das Fest selbst mitzählt: Die Oktav von Mariä Himmelfahrt ist der 22. August.

Wochentage auf Latein

In kirchlichen Datierungen werden die Wochentage gezählt, beginnend mit dem Sonntag:

Latein Deutsch
dominica Sonntag
feria secunda (II.) Montag
feria tertia (III.) Dienstag
feria quarta (IV.) Mittwoch
feria quinta (V.) Donnerstag
feria sexta (VI.) Freitag
sabbatum, selten feria septima Samstag

„Feria sexta post Laetare“ ist also der Freitag nach dem vierten Fastensonntag.

So rechnen Sie um

  1. Jahr feststellen. Ohne Jahr lässt sich ein bewegliches Fest nicht umrechnen.
  2. Osterdatum dieses Jahres ermitteln. Dafür gibt es Tabellen und Rechner.
  3. Abstand zählen. Laetare liegt drei Wochen vor Ostern, Jubilate drei Wochen nach Ostern.
  4. Wochentag dazurechnen. „Feria quarta post Jubilate“ ist der Mittwoch nach diesem Sonntag.

Das Standardwerk ist Hermann Grotefends „Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit“. Eine digitale Fassung mit Glossar, Heiligenverzeichnis, Tafeln und einem Rechner für die beweglichen Feste bietet handschriftenzentren.de; eine weitere digitale Ausgabe mit Kalendern einzelner Orte die Universität Graz.

Ein Beispiel mit einer erfundenen Familie: Ein Übergabsvertrag ist datiert „Montag nach Jubilate 1789“. Ostern fiel in diesem Jahr laut Rechner auf den 12. April; Jubilate war damit der 3. Mai, der Vertrag also vom 4. Mai 1789. Georg Steiner übernahm den Hof von seinem Vater.

Kalenderreform 1582: zehn Tage weniger

Papst Gregor XIII. ließ 1582 den Kalender korrigieren; auf den 4. folgte der 15. Oktober. Die Länder übernahmen den neuen Kalender zu verschiedenen Zeitpunkten: das Erzstift Salzburg, das Hochstift Brixen und Bayern im Oktober 1583, die Steiermark im Dezember 1583, das Erzherzogtum Österreich und Böhmen im Jänner 1584, Mähren im Oktober 1584, Ungarn 1587. Daten davor sind nach dem alten, julianischen Kalender angegeben.

Für die Ahnenforschung betrifft das nur die ältesten Bücher: Flächendeckend beginnen die Kirchenbücher in Österreich erst im 17. Jahrhundert, siehe Taufbuch, Trauungsbuch, Sterbebuch.

Häufige Fragen

Welcher Sonntag ist Laetare?

Der vierte Fastensonntag, drei Wochen vor Ostern, auch „Sonntag zu Mittfasten“ genannt.

Was bedeutet feria secunda?

Montag. Die Wochentage werden ab Sonntag gezählt: feria tertia ist Dienstag, feria sexta Freitag.

Wie rechne ich ein Datum nach Festtagen um?

Mit dem Osterdatum des Jahres für bewegliche Feste, mit dem festen Kalendertag für Heiligenfeste. Rechner und Tabellen bietet der digitale Grotefend.

Was heißt Quasimodogeniti?

Der erste Sonntag nach Ostern, auch Dominica in albis genannt.

Was ist eine Vigil?

Der Vortag eines Festes. „In vigilia Omnium Sanctorum“ ist der 31. Oktober.

Seit wann gilt der gregorianische Kalender in Österreich?

In Salzburg seit Oktober 1583, in der Steiermark seit Dezember 1583, im Erzherzogtum Österreich seit Jänner 1584. Davor galt der julianische Kalender.

Jedes Datum mit Fundstelle

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