Ahnenkette Bestellen

Wie weit reicht Ahnenforschung zurück? Kirchenbücher, Grenzen und was davor kommt

Wie weit zurück kommt man mit Ahnenforschung? Das hängt vor allem davon ab, wann die Kirchenbücher Ihrer Pfarre beginnen, ob sie erhalten sind und ob sich jede Verbindung von Kind zu Eltern mit einem Eintrag belegen lässt.

Kurz gesagt: Die ältesten erhaltenen Kirchenbücher Österreichs stammen aus dem 16. Jahrhundert, flächendeckend geführt wurden sie erst ab dem 17. Jahrhundert; im Osten beginnen viele Bücher erst nach 1683. Rechnet man grob mit 30 Jahren je Generation, sind es bis um 1700 etwa 10 Generationen, bis um 1640 etwa 12. Eine Linie kann aber früher enden als die Bücher, etwa wenn ein Vorfahr ohne Herkunftsangabe zugezogen ist. Vor den Kirchenbüchern helfen Urbare und andere Besitzquellen nur stellenweise weiter.

Wie weit die Kirchenbücher zurückreichen

Die Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher, in Österreich Matriken genannt, gehen auf das Konzil von Trient 1563 und das Rituale Romanum 1614 zurück. Was in ihnen steht, erklärt die Seite Taufbuch, Trauungsbuch, Sterbebuch. Das älteste erhaltene Matrikenbuch Österreichs ist das Sterbebuch der Wiener Dompfarre St. Stephan, das 1523 beginnt. Flächendeckend setzen die Bücher aber erst im 17. Jahrhundert ein, in vielen Pfarren, vor allem im Osten, erst nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 oder nach dem Türkenkrieg 1683.

Für Ihre Forschung zählt nicht das älteste Buch des Landes, sondern das Ihrer Pfarre. Der Beginn schwankt von Pfarre zu Pfarre um Jahrzehnte. Unter Kaiser Joseph II. wurden außerdem viele neue Pfarren gegründet. Ihre Bücher beginnen in der Regel erst um 1784; ältere Einträge stehen in der Pfarre, zu der der Ort vorher gehörte, der sogenannten Mutterpfarre.

Gebiet Älteste Bücher Typischer Beginn Besonderheit
Tirol Matrei in Osttirol 1558 26 Seelsorgestellen vor 1600, fast ein Drittel in der ersten Hälfte des 17. Jh. Verluste etwa in Schwaz (1809), Zirl (1748), Haiming (1761)
Südtirol Stilfes 1565 ab dem 17. Jh. sehr breit überliefert eigenes Portal des Südtiroler Landesarchivs
Vorarlberg Lingenau 1594 meist um 1630 bis 1818 auf mehrere Bistümer verteilt
Salzburg Dompfarre Salzburg 1575 (Taufen) flächendeckend ab dem 17. Jh. Tiroler Teil der Erzdiözese bei Matriken Tirol Online
Oberösterreich Grieskirchen 1568; 24 Pfarrorte schon im 16. Jh. unterschiedlich Innviertel bis 1779 bayerisch
Niederösterreich Wilhelmsburg 1579 (Diözese St. Pölten) meist nach 1648, im Osten oft erst nach 1683 oder 1709 ältere Bände in Kriegszeiten verloren
Wien St. Stephan 1523 (Sterbebuch) meist nach 1648 oder nach 1683 vor 1784 wenige, sehr große Pfarren
Steiermark Haus im Ennstal 1586 (katholisch) unterschiedlich, im Osten und Süden später Lücken, z. B. Admont: Taufen 1644–1699 fehlen
Kärnten Klagenfurt-St. Egid 1571 unterschiedlich Bücher fast vollständig erhalten
Burgenland Eisenstadt 1614 unterschiedlich Standesämter schon ab Oktober 1895
Bayern 1560er-Jahre (Bistum Augsburg) oft erst im 17. Jh., während oder nach dem Dreißigjährigen Krieg Standesamt ab 1876
Tschechien Bruchstücke ab 1441, vollständige Bücher ab den 1590er-Jahren meist nach 1620 Bücher in staatlichen Gebietsarchiven
Slowenien Piran 1457 (Küste); Raum Maribor: Stari trg 1597 unterschiedlich bis 1770 freier Text, danach Tabellen

„Unterschiedlich“: kein typisches Jahr für das ganze Gebiet. Einzelheiten und Portale auf der Gebietsseite.

Wie viele Generationen das sind

Rechnet man grob mit 30 Jahren je Generation – eine Annahme, kein fester Wert –, kommen auf ein Jahrhundert gut drei Generationen. Greifbar wird das an der erfundenen Beispielfamilie Steiner von unserer Startseite. Generation 1 sind Sie, Generation 4 die Urgroßeltern.

Generation Beispiel Steiner (erfunden) Taufe
4 Alois Steiner 1884
5 Johann Steiner 1852
6 Georg Steiner 1821
7 Josef Steiner 1789
8 Johann Steiner 1758
9 Simon Steiner um 1730
10 Matthias Steiner um 1700
11 Thomas Steiner um 1670
12 Christian Steiner um 1640

Zwischen den Taufen von Vater und Sohn liegen hier 31 oder 32 Jahre; die Jahre der Zeilen 9 bis 12 sind mit 30 Jahren je Generation weitergerechnet. Bis 1600 wären es rund 13 Generationen, und jede müsste mit einem Eintrag belegt sein. Wie viele Vorfahren Sie in jeder Generation insgesamt haben und wie sie heißen, zeigen Ahnentafel, Stammtafel, Stammbaum und Verwandtschaftsgrade.

Eine Ahnenlinie von Ahnenkette umfasst bis zu 8 Generationen ab Ihnen, also bis zu den 5-fach-Urgroßeltern; sie sind meist zwischen 1750 und 1800 geboren. Wie weit Ihre Linie tatsächlich reicht, hängt von den Büchern Ihrer Pfarre ab.

Warum eine Linie früher endet als die Bücher

Auch die Broschüre „Tipps für Familienforscher in Österreich“ der Arbeitsgemeinschaft der Diözesanarchive Österreichs hält fest, dass bei jeder Linie einmal keine Quelle mehr weiterhilft. Typische Stellen, an denen eine Linie abreißt:

  • Verlorene Bücher: Krieg und Brand haben Lücken gerissen, im Osten Niederösterreichs etwa der Türkenkrieg 1683 und die Kuruzzen-Unruhen bis 1709; weitere Beispiele auf den Gebietsseiten.
  • Knappe Einträge vor 1784: Oft stehen nur Kind, Eltern und Paten im Buch, bei der Trauung fehlen Eltern und Herkunft nicht selten. Leben im selben Ort zwei Männer gleichen Namens, lässt sich ohne Sterbebuch und weitere Angaben nicht sicher sagen, wer wessen Vater ist (mehr zu den Einträgen).
  • Uneheliche Geburt: Seit 1784 durfte der Vater nur eingetragen werden, wenn er sich selbst dazu bekannte. Fehlt sein Name, lässt sich die Vaterlinie nur manchmal über andere Hinweise weiterführen; über die Mutter lässt sie sich in der Regel weiterführen (Uneheliche Geburt im Kirchenbuch).
  • Zuzug ohne Herkunftsort: Taucht ein Vorfahr erst bei seiner Trauung auf und nennt kein Eintrag seine Herkunft, kann er aus der Nachbarpfarre oder von weit her stammen. Die beste Spur bleibt der Trauungseintrag; in jüngeren Büchern nennt er in der Regel die Eltern.
  • Schrift und Sprache: Vor 1784 meist Latein, danach meist Deutsch in Kurrentschrift – das erschwert oft die eigene Suche (Kurrentschrift lesen, Latein im Kirchenbuch).
  • Am jungen Ende: Für jüngere Einträge gelten in Österreich Sperrfristen, in der Regel 100 Jahre nach einer Geburt, 75 Jahre nach einer Trauung und 30 Jahre nach einem Tod. Für diese Generationen brauchen Sie Familienpapiere oder Urkunden (Urkunden der Vorfahren bestellen).

Vor den Kirchenbüchern: was es noch gibt

Vor den Matriken helfen vor allem Quellen zu Besitz und Abgaben. Bis 1848 führten die Grundherrschaften Urbare, Stiftregister und Steuerbücher. Sie nennen den Hof und seinen Inhaber; wechselte der Besitzer, wurde der Name berichtigt. In Tirol verzeichnen die Steuerkataster seit 1627 Höfe und Grundstücke, und über die Verfachbücher kommt man in manchen Landgerichten bis ins 16. Jahrhundert zurück (Hofgeschichte erforschen). Verlassenschaften nennen die Erben mit ihrem Verwandtschaftsverhältnis (Verlassenschaft und Testament), und ein Hofname kann Besitzquellen und Kirchenbuch verbinden (Hofnamen und Vulgonamen).

Ob ein neuer Inhaber Sohn, Schwiegersohn oder Käufer war, zeigt ein Urbar allein nicht. Nach dieser Broschüre kommt man über die Kirchenbücher hinaus nur im Einzelfall weiter; schon die früheste Erwähnung eines Namens in einer Gegend gilt dort als gutes Ergebnis.

Wer Jahrhunderte überspringen will, um an ein gleichnamiges Adelsgeschlecht anzuknüpfen, gerät nach derselben Quelle mit Sicherheit auf Irrwege; mehr dazu unter Familienname und Herkunft und Ahnenforschung anfangen. Auch ein DNA-Test nennt keinen Vorfahren beim Namen.

So sehen Sie selbst, wie weit Ihre Pfarre reicht

  1. Pfarre bestimmen: Maßgeblich ist die Pfarre, nicht die Gemeinde. Das Ortsverzeichnis von GenTeam (kostenlose Anmeldung) nennt für Orte in Österreich, Tschechien und Slowenien die Pfarre und den Beginn der Matriken.
  2. Bücherliste ansehen: Auf Matricula listet die Seite der Pfarre alle Bücher mit Art und Jahren; das älteste Taufbuch zeigt den Beginn (Matricula-Anleitung). Für Tirol gilt dasselbe bei Matriken Tirol Online, sonst bei den Portalen der Gebietsseite.
  3. Mutterpfarre prüfen: Beginnt das erste Taufbuch um 1784, liegen die älteren Einträge wahrscheinlich in der Mutterpfarre.
  4. Lücken beachten: Springen die Jahreszahlen zwischen zwei Bänden, fehlt ein Zeitraum.

Die Broschüre der Diözesanarchive weist auch auf die Lebensweise hin: Viele Bauernfamilien saßen über lange Zeit auf demselben Hof, weite Teile der Bevölkerung wechselten den Wohnort aber häufig.

Häufige Fragen

Wie weit kann man seinen Stammbaum zurückverfolgen?

Über die Kirchenbücher bestenfalls bis ins 17., manchmal ins 16. Jahrhundert – sofern die Bücher Ihrer Pfarre erhalten sind und jede Verbindung eindeutig belegbar ist.

Ab wann gibt es Kirchenbücher in Österreich?

Das älteste erhaltene Buch ist das Sterbebuch von St. Stephan in Wien ab 1523. Flächendeckend beginnen sie erst im 17. Jahrhundert; die Tabelle oben zeigt die Angaben je Gebiet.

Wie viele Generationen sind 300 Jahre?

Rechnet man mit rund 30 Jahren je Generation, etwa zehn. Im erfundenen Steiner-Beispiel sind es 31 bis 32 Jahre je Generation.

Kann man seine Vorfahren bis ins Mittelalter finden?

In Österreich nicht, die Bücher beginnen hier frühestens im 16. Jahrhundert. Nur vereinzelt reichen Bücher weiter zurück, etwa in Piran (Slowenien) bis 1457; eine durchgehende Linie bis ins Mittelalter ergibt das nicht.

Warum endet meine Linie um 1700?

Etwa weil die Bücher Ihrer Pfarre erst dann beginnen oder ältere Bände verloren sind, weil ein Vorfahr ohne Herkunftsangabe zugezogen ist oder weil ein Eintrag zu knapp ist, um ihn eindeutig zuzuordnen. Beginnen die Bücher erst um 1784, sehen Sie in der Mutterpfarre nach.

Wie weit reicht eine Ahnenlinie von Ahnenkette?

Bis zu 8 Generationen ab Ihnen, also bis zu den 5-fach-Urgroßeltern; sie sind meist zwischen 1750 und 1800 geboren. Reichen die Bücher weiter, bieten wir mit der Lieferung weitere Generationen bis etwa 1700 zu je 20 € inkl. USt an; für frühere Generationen nennen wir den Preis nach Prüfung vorher.

Wie weit reicht Ihre Linie?

Wir verfolgen eine Linie über bis zu 8 Generationen zum Festpreis von 199 € inkl. USt. Für jede der Generationen 4 bis 8, die sich trotz Durchsicht nicht belegen lässt, erhalten Sie 20 € zurück; lässt sich keine belegen, den vollen Preis. Endet die Linie früher, nennen wir den Grund im Forschungsbericht.

Ahnenlinie bestellen So sieht das Ergebnis aus