Ahnenforschung in Kärnten: Kirchenbücher der Diözese Gurk
Ahnenforschung in Kärnten: Wo die Kärntner Kirchenbücher der Diözese Gurk liegen, wie Sie sie kostenlos online finden, ab wann sie beginnen und was bei Pfarren im Süden des Landes und jenseits der heutigen Grenze zu beachten ist.
Wo liegen die Kärntner Kirchenbücher?
Die wichtigste Quelle für die Familienforschung sind die Matriken, also die Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher der Pfarren. In Kärnten ist dafür die katholische Diözese Gurk zuständig, deren Gebiet seit 1859 mit dem Land übereinstimmt.
Das Archiv der Diözese Gurk in Klagenfurt hat die Kärntner Matriken zentral übernommen und alle historischen Bücher samt den alphabetischen Namensregistern (Indizes), soweit vorhanden, digitalisiert – rund 10.100 Bände mit etwa 1,5 Millionen Bildern. Sie sind vollständig auf Matricula, Bereich „Kärnten: Rk. Diözese Gurk“ zu sehen, kostenlos und ohne Anmeldung. Wie das Blättern dort funktioniert, zeigt unsere Matricula-Anleitung.
Für Fragen bis 1939 ist das Diözesanarchiv der zentrale Ansprechpartner. Eine Einsicht im Pfarramt vor Ort ist grundsätzlich nicht vorgesehen.
Ab wann gibt es Kirchenbücher in Kärnten?
Das älteste Kärntner Kirchenbuch stammt aus der Pfarre Klagenfurt-St. Egid: Taufen und Sterbefälle ab 1571. Die ältesten Trauungen beginnen 1577 in der Pfarre Gurk. Davor gab es keine Matriken. Erfreulich für Forschende: Die Kärntner Bücher sind trotz Kriegen, Bränden und Naturkatastrophen fast vollständig erhalten.
Bis 1784 sind die Einträge meist lateinisch und ohne Vordruck geschrieben (Hilfe dazu: Latein im Kirchenbuch). Ab 1784 schrieb der Staat vorgedruckte Tabellen vor, und die Einträge sind grundsätzlich auf Deutsch, meist in Kurrent – siehe Kurrentschrift lesen.
Jüngere Bücher, Sperrfristen und Standesamt
Seit 1. Jänner 1939 führen in Österreich die Standesämter die Personenstandsbücher, Zivilehen schon ab 1. August 1938. Für alles danach ist das Standesamt zuständig; kirchliche Matriken ab 1940 stehen Familienforschern nicht zur Verfügung.
Für die älteren Bücher gilt das Personenstandsgesetz: Trauungen und Sterbefälle bis 1939 sind frei einsehbar, Taufen erst nach 100 Jahren. Auf Matricula wird jedes Jahr ein weiterer Taufjahrgang freigeschaltet. Einen jüngeren Taufeintrag bekommen nur direkte leibliche Nachkommen – Kinder, Enkel, Urenkel –, und zwar über das Diözesanarchiv, mit amtlichem Lichtbildausweis und Geburtsurkunden, die die Abstammung belegen.
Zweisprachiges Unterkärnten
Im Süden Kärntens lebten und leben deutsch- und slowenischsprachige Menschen nebeneinander. Viele Orte und Pfarren haben deshalb einen deutschen und einen slowenischen Namen, zum Beispiel Bleiburg (Pliberk) oder das heute slowenische Unterdrauburg (Dravograd). Für die Kirchenbücher galt ab 1771 die Vorschrift, nur Latein oder Deutsch zu verwenden; in den Einträgen tauchen aber vereinzelt slowenische Wörter auf. Für die Suche lohnt es sich, beide Ortsnamen zu kennen: Matricula nennt zweisprachige Kärntner Pfarren mit beiden Namen (etwa „Bleiburg/Pliberk“), die heute slowenischen Pfarren nur mit dem slowenischen (etwa „Dravograd“).
Pfarren jenseits der heutigen Grenze
Nach dem Ersten Weltkrieg musste Kärnten Gebiete abtreten. 1923 wurden auch die Diözesangrenzen angepasst:
- Kanaltal (unter anderem Tarvis, Pontafel, Malborghet, Uggowitz) kam zu Italien. Die Originalmatriken liegen in den dortigen Pfarrämtern, nicht im Diözesanarchiv Udine.
- Mießtal (unter anderem Gutenstein/Ravne na Koroškem, Prävali/Prevalje, Unterdrauburg/Dravograd) kam zur Diözese Lavant-Marburg, heute Erzdiözese Maribor.
- Seeland (Jezersko) kam zur Diözese Laibach, heute Erzdiözese Ljubljana.
Für die slowenischen Teile liegen die älteren Originale in den Diözesanarchiven von Maribor und Ljubljana; mehr dazu auf der Seite Ahnenforschung in Slowenien. Lückenhafte Abschriften 1835–1921 dieser abgetretenen Pfarren verwahrt das Archiv der Diözese Gurk.
Typische Hürden in Kärnten
- Uneheliche Geburten: Kärnten war in Österreich der „Spitzenreiter“ bei unehelichen Geburten. Fehlt im Taufeintrag der Vater, lässt sich die Linie meist nur über die Mutter weiterverfolgen.
- Die richtige Pfarre: Gesucht wird in der Pfarre, zu der ein Ort damals gehörte. Nördlich und südlich der Drau galten über Jahrhunderte verschiedene kirchliche Zuständigkeiten (Salzburg und Aquileia), das Lavanttal gehörte von 1786 bis 1859 zur Diözese Lavant.
- Herkunft nicht vermerkt: Ältere Trauungseinträge nennen den Herkunftsort der Brautleute nur manchmal, Sterbeeinträge meist gar nicht. Taufpaten helfen weiter, weil sie oft nahe Verwandte waren.
- Evangelische Vorfahren: Erst das Toleranzpatent von 1781 erlaubte evangelische Gemeinden; bis 1849 wurden ihre Taufen, Trauungen und Begräbnisse zusätzlich in die katholischen Bücher eingetragen. Einen Teil der evangelischen Bücher zeigt Matricula unter „Kärnten: Ev. Kirche A.B.“; zuständig ist die Evangelische Superintendentur in Villach.
Ein Beispiel: Johann Steiner heiratet 1820 in einer Pfarre an der Drau, ohne Herkunftsort im Eintrag. Erst der Taufpate seines ersten Kindes, ein Bauer aus dem Nachbartal, führt zur richtigen Taufpfarre.
Die wichtigsten Quellen im Überblick
| Quelle | was | Zeitraum | online? |
|---|---|---|---|
| Matricula, Diözese Gurk | katholische Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher aller Kärntner Pfarren, mit Indizes | ab 1571 bis 1938/39, Taufen bis zur Sperrfrist | ja, kostenlos |
| Archiv der Diözese Gurk | Taufeinträge innerhalb der Sperrfrist; Abschriften der 1923 abgetretenen Pfarren | bis 1939; Abschriften 1835–1921 | nein |
| Matricula, Kärnten Ev. Kirche A.B. | evangelische Matriken (Teil) | je Gemeinde verschieden | ja |
| Matricula, Erzdiözesen Maribor und Ljubljana | Matriken von Mießtal und Seeland | je Pfarre verschieden, bis 100 Jahre vor heute | ja, kostenlos |
| Jüdische Gemeinde Graz | jüdische Matriken für Kärnten | Geburten 1874–1938 | nein |
| Standesämter | staatliche Personenstandsbücher | ab 1939 (Trauungen ab August 1938) | nein |
Häufige Fragen
Wo finde ich Kärntner Kirchenbücher online?
Auf Matricula unter „Österreich – Kärnten: Rk. Diözese Gurk“. Alle historischen Bücher bis 1938/39 sind dort kostenlos einsehbar, mit den vorhandenen Namensregistern.
Warum ist der Taufeintrag meines Großvaters noch nicht online?
Taufen sind 100 Jahre gesperrt. Als direkter Nachkomme können Sie den Eintrag beim Archiv der Diözese Gurk anfragen, mit Lichtbildausweis und Geburtsurkunden als Nachweis.
Kann ich die Bücher im Pfarramt einsehen?
Grundsätzlich nicht. Ansprechpartner für die Zeit bis 1939 ist das Archiv der Diözese Gurk in Klagenfurt, für die Zeit danach das Standesamt.
Sind die Kärntner Kirchenbücher auf Slowenisch geschrieben?
Grundsätzlich nicht: Vor 1784 überwiegt Latein, danach Deutsch. In Unterkärnten kommen vereinzelt slowenische Wörter vor, und viele Orte haben einen deutschen und einen slowenischen Namen.
Mein Vorfahre stammt aus dem Kanaltal – wo suche ich?
Die Originalmatriken der Kanaltaler Pfarren liegen in den Pfarrämtern in Italien, etwa in Pontebba, Tarvisio oder Malborghetto. Das Diözesanarchiv Udine verwahrt keine Matriken.
Ihre Kärntner Linie, Generation für Generation belegt
Ahnenkette forscht in ganz Kärnten – und folgt der Linie auch in die heute slowenischen Pfarren. Eine Ahnenlinie reicht über bis zu 8 Generationen, ab den Urgroßeltern im Kirchenbuch belegt, jeder Eintrag mit Abschrift, Übersetzung lateinischer Einträge und Fundstelle.
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