Ahnenforschung in Slowenien: Kirchenbücher aus Untersteiermark und Krain
Ahnenforschung in Slowenien: Wo die Kirchenbücher aus der Untersteiermark, aus Krain und dem Küstenland liegen, wie Sie sie kostenlos auf Matricula finden und wie Sie deutsche Ortsnamen den heutigen slowenischen zuordnen.
Aus welchen Ländern das heutige Slowenien besteht
Das heutige Slowenien setzt sich aus Teilen von vier habsburgischen Kronländern zusammen: der Untersteiermark (bis 1918 Teil der Steiermark), Krain mit der Hauptstadt Laibach, dem Küstenland und einem kleinen Teil Kärntens (Mießtal, Seeland). Dazu kommt das Übermurgebiet (Prekmurje), das bis 1918 zu Ungarn gehörte.
Für Familien in Österreich ist vor allem die Untersteiermark wichtig: Um 1910 sprachen dort etwa 15 Prozent der Menschen Deutsch, in Städten wie Marburg und Pettau die große Mehrheit. Mehr zur Steiermark auf der Seite Ahnenforschung in der Steiermark.
Wo liegen die Kirchenbücher?
Die älteren Original-Matriken liegen in den Archiven der Diözesen. Alle drei sind auf Matricula vertreten, kostenlos und ohne Anmeldung (Anleitung: Matricula Schritt für Schritt):
- Erzdiözesanarchiv Ljubljana (Nadškofijski arhiv Ljubljana): Pfarren der Erzdiözese Ljubljana und der Diözese Novo mesto, also vor allem das frühere Krain – auf Matricula.
- Erzdiözesanarchiv Maribor (Nadškofijski arhiv Maribor): Pfarren der heutigen Kirchenprovinz Maribor, darunter die frühere Untersteiermark – auf Matricula.
- Diözesanarchiv Koper (Škofijski arhiv Koper): Pfarren im Westen, im früheren Küstenland – auf Matricula.
Die Bücher aus Maribor wurden bis etwa 1900 gemeinsam mit den steirischen digitalisiert; im Diözesanarchiv Graz-Seckau können Sie sie ebenfalls an Bildschirmen einsehen.
Ab wann gibt es Kirchenbücher?
Die Pflicht zu Tauf- und Trauungsbüchern geht auf das Konzil von Trient (Mitte des 16. Jahrhunderts) zurück; Sterbebücher kamen im 17. Jahrhundert dazu. An der Küste beginnen einzelne Bücher viel früher: Das Taufbuch von Piran reicht bis 1457 zurück. Das älteste Buch im Archiv Maribor ist das Taufbuch der Pfarre Stari trg von 1597. Bis 1770 sind die Einträge freier Text, danach stehen sie in Tabellen.
Latein, Deutsch, Italienisch, Slowenisch
Die älteren Bücher sind lateinisch geschrieben (Hilfe: Latein im Kirchenbuch). Ab dem 18. Jahrhundert schrieben die Pfarrer Deutsch, oft in Kurrent (Kurrentschrift lesen), oder Italienisch. Ab 1884 kommen auch slowenische Einträge vor. Wer slowenische Vorfahren sucht, braucht also oft drei Sprachen – meist aber nur einige feste Wörter je Spalte.
Deutsche Ortsnamen zuordnen
Viele Familien kennen nur den deutschen Ortsnamen. Matricula ordnet die Pfarren aber unter dem heutigen slowenischen Namen:
| deutscher Name | slowenischer Name | früheres Land |
|---|---|---|
| Marburg an der Drau | Maribor | Untersteiermark |
| Cilli | Celje | Untersteiermark |
| Pettau | Ptuj | Untersteiermark |
| Windischgraz | Slovenj Gradec | Untersteiermark |
| Laibach | Ljubljana | Krain |
| Rudolfswert | Novo mesto | Krain |
| Krainburg | Kranj | Krain |
| Gottschee | Kočevje | Krain |
Für kleinere Orte hilft das Ortsverzeichnis von GenTeam (kostenlose Anmeldung): Es nennt für Orte in Slowenien, Österreich und Tschechien den alten und den heutigen Namen, die zuständige Pfarre und den Beginn der Matriken.
Jüngere Bücher und staatliche Register
Auf Matricula fehlen alle Bücher und Namensregister mit Einträgen, die jünger als 100 Jahre sind – bei Trauungen und Sterbefällen also deutlich mehr als in Österreich. Das Archiv in Ljubljana übernimmt jedes Jahr die Bücher, die 100 Jahre alt geworden sind, von den staatlichen Verwaltungseinheiten (upravne enote); dort liegen die jüngeren.
Seit 1. April 1946 führen in Slowenien staatliche Matrikelämter die Personenstandsbücher. Vorher war das Sache der Pfarren; im Gebiet von Maribor gab es bis 1941 keine zivilen Register. Eine Ausnahme ist das Übermurgebiet: Dort wurden 1895, noch unter Ungarn, zusätzlich staatliche Register eingeführt.
Typische Hürden
- Sprachwechsel: Dieselbe Familie kann im selben Buch erst lateinisch, dann deutsch, später slowenisch eingetragen sein.
- Zwei Ortsnamen: Ohne den slowenischen Namen findet man die Pfarre auf Matricula nicht.
- Längere Sperrfrist: Auch Trauungen und Sterbefälle sind 100 Jahre gesperrt; die Urgroßeltern stehen deshalb oft noch nicht online.
- Bewegte Geschichte der Bücher: Im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten die Besatzer die Matriken, danach übernahm sie der Staat. Die Bücher des Raums Maribor kamen erst 1994 an die Kirche zurück.
Ein Beispiel: Die Familie Steiner weiß nur, dass ein Ururgroßvater „aus Pettau“ kam. Auf Matricula findet man die Bücher unter Ptuj im Bestand Maribor.
Die wichtigsten Quellen im Überblick
| Quelle | was | Zeitraum | online? |
|---|---|---|---|
| Matricula, Erzdiözese Maribor | Matriken Untersteiermark und Nordostslowenien | ab 1597 bis 100 Jahre vor heute | ja, kostenlos |
| Matricula, Erzdiözese Ljubljana | Matriken Krain (Ljubljana, Novo mesto) | Beginn bis 100 Jahre vor heute | ja, kostenlos |
| Matricula, Diözese Koper | Matriken im Westen (Küstenland) | Beginn bis 100 Jahre vor heute; Bestand wird ausgebaut | ja, kostenlos |
| Familienbücher (Status animarum), Archiv Ljubljana | Verzeichnisse aller Hausbewohner einer Pfarre | je Pfarre verschieden | nein, digital im Lesesaal |
| Diözesanarchiv Graz-Seckau | Digitalisate aus Maribor; Zweitschriften einiger Grenzpfarren | Zweitschriften 1835–1919 | nein |
| Verwaltungseinheiten (upravne enote) | Matriken unter 100 Jahren; staatliche Register | staatlich ab 1. April 1946 | nein |
Eine Besonderheit sind die Familienbücher (Status animarum): Die Pfarrer verzeichneten darin Haus für Haus die Bewohner ihrer Pfarre. Das Archiv Ljubljana verwahrt viele davon und zeigt eine digitale Sammlung an den Rechnern im Lesesaal.
Häufige Fragen
Wo finde ich slowenische Kirchenbücher online?
Auf Matricula unter „Slowenien“, getrennt nach den Archiven Ljubljana, Maribor und Koper. Die Einsicht ist kostenlos.
Meine Vorfahren kamen aus Marburg oder Cilli – wo suche ich?
Im Bestand des Erzdiözesanarchivs Maribor auf Matricula, unter den slowenischen Namen Maribor und Celje.
Warum ist die Trauung meiner Urgroßeltern von 1930 nicht online?
In Slowenien sind alle Matriken 100 Jahre gesperrt, auch Trauungen und Sterbefälle. Jüngere Bücher liegen bei den staatlichen Verwaltungseinheiten.
In welcher Sprache sind die Einträge geschrieben?
Ältere lateinisch, ab dem 18. Jahrhundert deutsch oder italienisch, ab 1884 auch slowenisch.
Wie finde ich den slowenischen Namen eines Ortes?
Für größere Orte genügt oft eine Ortstabelle wie oben. Für Dörfer hilft das Ortsverzeichnis von GenTeam, das alte und heutige Namen samt zuständiger Pfarre nennt.
Ihre Linie aus der Untersteiermark oder Krain
Ahnenkette forscht auch in Slowenien und liest lateinische, deutsche und slowenische Einträge. Eine Ahnenlinie reicht über bis zu 8 Generationen; ab den Urgroßeltern ist sie auf Matricula belegt, jeder Eintrag mit Abschrift, Übersetzung lateinischer Einträge und Fundstelle.
Nachbargebiete: Steiermark · Kärnten · Burgenland