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Uneheliche Geburt im Kirchenbuch: warum der Vater fehlt und wie Sie weitersuchen

Im Taufbuch steht „unehelich“, beim Vater ist die Spalte leer: Für viele Familienforscher scheint die Linie hier zu enden. Diese Seite erklärt, warum der Vater bei unehelichen Kindern oft fehlt, woran Sie eine uneheliche Geburt im Kirchenbuch erkennen und wo Sie trotzdem weitersuchen können.

Kurz gesagt: Seit 1784 durfte der Vater eines unehelichen Kindes nur eingetragen werden, wenn er sich selbst dazu bekannte; die Mutter musste ihn nicht nennen. Deshalb fehlt er oft. Das Kind trug in der Regel den Namen der Mutter, und über sie geht die Linie sicher weiter. Hinweise auf den Vater geben manchmal ein Vermerk über eine spätere Legitimation, die Paten, eigene Verzeichnisse unehelicher Taufen oder Akten von Gemeinde und Gericht.

Wie häufig uneheliche Geburten waren

Sehr häufig, je nach Gegend. Für Teile Kärntens werden für das 19. und frühe 20. Jahrhundert Anteile von 40 bis 60 Prozent unehelicher Geburten genannt. Als Gründe nennt die Forschung unter anderem Besitz- und Erbverhältnisse und die Lage der Knechte und Mägde. In anderen Gegenden lag der Anteil deutlich niedriger.

Die Diözesanarchive halten fest, dass es niemandem peinlich sein muss, in der eigenen Familie auf eine uneheliche Geburt zu stoßen. Für die Forschung ist sie vor allem eine Aufgabe: Die Vaterseite braucht andere Quellen.

Woran Sie eine uneheliche Geburt erkennen

Im Eintrag Bedeutung
„unehelich“ in der Spalte für eheliche oder uneheliche Geburt (ab 1784) uneheliches Kind
illegitimus, illegitima unehelich
spurius, spuria unehelich
naturalis natürlich, also unehelich
legitimatus per subsequens matrimonium durch die nachfolgende Ehe der Eltern legitimiert
(*) in Stammtafeln genealogisches Zeichen für „unehelich geboren“

Weitere lateinische Begriffe finden Sie unter Latein im Kirchenbuch. Wie die Spalten im Taufbuch ab 1784 aufgebaut sind, zeigt Taufbuch, Trauungsbuch, Sterbebuch.

Warum der Vater im Taufbuch fehlt

Das liegt nicht an Nachlässigkeit des Pfarrers, sondern am Gesetz. Das Patent Josephs II. vom 20. Februar 1784 bestimmte: Bei unehelichen Kindern darf der Name des Vaters nur eingetragen werden, wenn er sich selbst dazu bekennt, also auf seinen Wunsch oder mit seiner Einwilligung. Ein Patent von 1787 bestätigte das, ein Hofdekret von 1788 befreite die Mutter von der Pflicht, den Vater zu nennen.

Ist bei einem unehelichen Kind nach 1784 dennoch ein Vater eingetragen, hat er sich demnach selbst dazu bekannt. Vor 1784 ist der Vater manchmal genannt: Ein Salzburger Taufeintrag von 1751 etwa nennt den Vater eines unehelichen Kindes mit Beruf und Herkunft.

Das Kind trug in der Regel den Familiennamen der Mutter. Das Allgemeine bürgerliche Gesetzbuch hielt noch in der bis April 1995 geltenden Fassung fest: Das uneheliche Kind erhält den Geschlechtsnamen der Mutter.

Legitimation: wenn die Eltern später heirateten

Heirateten die Eltern nach der Geburt, wurde das Kind durch die nachfolgende Ehe ehelich, also legitimiert. Der Pfarrer durfte das nicht eigenmächtig nachtragen; Legitimationen, Adoptionen und Namensänderungen kamen über den Behördenweg ins Buch. Sie finden sie als Randvermerk beim Taufeintrag, manchmal Jahre später. Lesen Sie deshalb den Rand des Eintrags immer mit.

Auch der umgekehrte Weg hilft: Ein Trauungseintrag kann Kinder erwähnen, die vor der Ehe geboren wurden.

Ein Beispiel mit einer erfundenen Familie: Theresia Steiner wird 1851 als uneheliche Tochter der Maria Steiner getauft, ohne Vater. Am Rand steht: legitimiert durch die Ehe der Mutter mit Georg Klotz am 3. Mai 1853. Damit ist der Vater gefunden – und die Linie kann über ihn weitergehen.

Wo Sie nach dem Vater weitersuchen können

  • Rand des Taufeintrags: Legitimation, spätere Vaterschaftserklärung, Namensänderung.
  • Paten: Paten waren oft nahe Verwandte. Ein Pate mit anderem Familiennamen kann auf die Familie des Vaters hinweisen – ein Hinweis, kein Beweis.
  • Eigene Verzeichnisse unehelicher Taufen: Manche Pfarren legten sie an. Sie nennen außer der Mutter auch Namen, Stand, Beruf und Wohnort des Vaters.
  • Mutter weiterverfolgen: Suchen Sie ihren Namen einige Jahre vor und nach der Geburt in Tauf- und Trauungsbuch: weitere Kinder, eine spätere Heirat, ihre Herkunft.
  • Gemeinde und Gericht: Für die Zeit nach 1938 helfen die Sammelakten zu den Personenstandsbüchern der Gemeinde, bei Vaterschaftsverfahren die Akten des Bezirksgerichts.
  • Ältere Verwandte: Was in keinem Buch steht, wissen manchmal noch die Enkel.

Gebär- und Findelhäuser

Frauen, die ihr Kind nicht zu Hause bekommen konnten, gingen in eine Gebäranstalt; manche Kinder kamen anschließend in ein Findelhaus. Die Taufen dieser Kinder stehen nicht in der Heimatpfarre der Mutter, sondern in der Pfarre, in deren Gebiet die Anstalt lag. Das hatte ein Hofdekret von 1786 so geregelt.

Ort Was bekannt ist
Wien Gebärhaus und Findelhaus ab 1784; die Kinder aus dem Gebärhaus wurden in der Pfarre Alser Vorstadt getauft. Die Findelhausprotokolle liegen im Wiener Stadt- und Landesarchiv. Siehe Ahnenforschung Wien.
Linz Kinder aus der Gebär- und Findelanstalt wurden in der Stadtpfarre Linz getauft; die Protokolle ab 1788/90 liegen im Oberösterreichischen Landesarchiv, meist ohne Namen des Vaters.
Tirol Landesgebäranstalt 1833–1870 in Trient, 1870–1890 in Innsbruck, ab 1890 in Wilten; ihre Matriken verwahrt die Krankenhausseelsorge Innsbruck.

Wenn ein Kind in Ihrer Familie „irgendwo in der Stadt“ geboren sein soll, obwohl die Mutter vom Land stammte, lohnt sich der Blick in die Bücher dieser Pfarren.

Was das für Ihre Ahnenlinie heißt

Eine uneheliche Geburt beendet die Forschung nicht. Die Mutter ist immer eingetragen, und über sie geht die Linie zuverlässig weiter: zu ihren Eltern, deren Trauung und so fort. Ist der Vater nicht belegt, bleibt diese Seite offen, auch wenn die Familie einen Namen überliefert hat. Seriös ist nur, was ein Eintrag stützt; eine Überlieferung gehört als Vermutung gekennzeichnet in die Stammtafel.

Für Fälle aus dem 20. Jahrhundert kann ein DNA-Test Verwandte auf der Vaterseite finden. Wie man solche Treffer einordnet, steht unter Verwandtschaftsgrade: DNA-Test.

Häufige Fragen

Warum steht im Taufbuch kein Vater?

Seit 1784 durfte der Vater eines unehelichen Kindes nur eingetragen werden, wenn er sich selbst dazu bekannte. Die Mutter musste ihn seit 1788 nicht nennen.

Welchen Nachnamen hatte ein uneheliches Kind?

In der Regel den der Mutter. Heirateten die Eltern später, wurde das Kind dadurch ehelich; das steht dann als Randvermerk beim Taufeintrag.

Was bedeutet „legitimiert“ im Kirchenbuch?

Das Kind wurde durch die nachfolgende Ehe seiner Eltern ehelich. Lateinisch: legitimatus per subsequens matrimonium.

Was heißt spurius im Taufbuch?

Unehelich. Ebenso illegitimus und naturalis.

Wie finde ich den Vater eines unehelichen Kindes?

Lesen Sie den Rand des Taufeintrags, prüfen Sie die Paten, suchen Sie eine spätere Heirat der Mutter und fragen Sie, ob die Pfarre ein eigenes Verzeichnis unehelicher Taufen führte. Für das 20. Jahrhundert können Gemeinde- und Gerichtsakten helfen.

Ist eine Ahnenlinie bei einer unehelichen Geburt zu Ende?

Nein. Die Linie geht über die Mutter weiter, die immer eingetragen ist. Nur die Vaterseite bleibt offen, wenn sich kein Beleg findet.

Uneheliche Geburt in Ihrer Linie?

Wir sagen solche Fälle offen an: Bei unehelicher Geburt führen wir die Linie über die Mutter weiter, und ein Vater wird nur eingetragen, wenn ein Eintrag ihn belegt. Für jede der Generationen 4 bis 8, die sich nicht belegen lässt, erhalten Sie 20 € zurück.

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