Ahnenforschung in Wien: Kirchenbücher, Pfarrsuche und Meldezettel
Ahnenforschung in Wien: Die Kirchenbücher der Erzdiözese Wien sind vollständig online – die eigentliche Schwierigkeit ist, unter den vielen Wiener Pfarren die richtige zu finden. Hier lesen Sie, wie das gelingt und welche weiteren Quellen helfen.
Kirchenbücher aus Wien online: Matricula
Die Matriken – so heißen in Österreich die Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher – der katholischen Wiener Pfarren gehören zur Erzdiözese Wien. Sie wurden vom Beginn bis 1938 digitalisiert; die Arbeit wurde 2016 abgeschlossen. Seither sind sie auf dem Portal Matricula kostenlos und ohne Anmeldung zu sehen. Unter „Wien“ stehen dort auch die Pfarren des Wein- und Industrieviertels (siehe Ahnenforschung in Niederösterreich).
Zuständig für Auskünfte ist das Diözesanarchiv Wien. Wie Sie auf Matricula eine Pfarre aufrufen und blättern, zeigt unsere Matricula-Anleitung; zum Lesen der Einträge helfen Kurrentschrift lesen und Latein im Kirchenbuch.
Die richtige Pfarre finden: Adresse zuerst
In Wien wurde man in der Regel in der Pfarre getauft, getraut und begraben, zu der die Wohnadresse gehörte. Wer nur „Wien“ als Geburtsort kennt, braucht daher zuerst die Adresse. So kommen Sie zur Pfarre:
- Adresse ermitteln: aus Familienpapieren, aus einem Meldezettel oder aus den Wiener Adressbüchern „Lehmann“. Die Jahrgänge 1859 bis 1942 sind bei Wienbibliothek digital mit Volltextsuche online.
- Pfarre zur Adresse suchen: Im Wien Geschichte Wiki geben Sie den Straßennamen (ohne Hausnummer) ein und erfahren, zu welcher Pfarre die Straße bis 1938 gehörte. Ab 1887 nennt auch das Straßenverzeichnis im „Lehmann“ die Pfarre.
- Im Namensverzeichnis suchen: Für die Zeit vor 1861 lohnt ein Blick in die Indizes von GenTeam, einer kostenlosen genealogischen Datenbank (Registrierung nötig): Die katholischen Trauungen Wiens von 1542 bis 1860 sind dort vollständig erfasst, dazu rund zwei Millionen Taufen.
Vorsicht bei Daten vor 1784: Bis zur Neuordnung der Pfarren unter Joseph II. gab es in Wien nur wenige, sehr große Pfarren. So gehörten etwa die heutigen Bezirke 3 bis 5 zur Dompfarre St. Stephan. Die Pfarre, die für eine Adresse um 1900 zuständig war, ist es um 1750 oft nicht.
Ab wann gibt es Kirchenbücher – und bis wann sind sie zugänglich?
Wien hat das älteste erhaltene Matrikenbuch Österreichs: das Sterbebuch der Dompfarre St. Stephan, das 1523 beginnt. Wie fast überall in Österreich beginnen die meisten Bücher aber erst nach 1648 oder nach der Türkenbelagerung 1683.
Für jüngere Einträge gelten Sperrfristen nach dem Personenstandsgesetz: Taufbücher 100 Jahre, Trauungsbücher 75 Jahre, Sterbebücher 30 Jahre. Ehen beurkunden seit 1. August 1938 staatliche Stellen, Geburten und Sterbefälle seit 1. Jänner 1939 ausschließlich die Standesämter. Gesperrte kirchliche Einträge sieht das Diözesanarchiv Wien vorzeitig nur bei Verwandtschaft in gerader Linie oder bei rechtlichem Interesse frei, etwa in einer Erbsache – mit Geburtsurkunden, Ausweiskopie und bei Auftrag für andere einer Vollmacht.
Zuwanderung aus Böhmen und Mähren
Wien ist eine Stadt der Zuwanderer. Besonders stark kamen Menschen aus Böhmen und Mähren in der zweiten Hälfte des 18. und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – Arbeiter etwa für die Ziegelöfen, Handwerker und Frauen als Dienstpersonal. Bei der Volkszählung 1900 gaben rund 103.000 Wienerinnen und Wiener Tschechisch oder Slowakisch als Sprache an.
Für die Forschung heißt das: Eine Wiener Linie kann die Stadt schon nach wenigen Generationen verlassen. Dann gilt es, den Herkunftsort zu ermitteln – etwa aus den Wiener Kirchenbucheinträgen, aus Familienpapieren oder Meldeunterlagen – und die Suche in den tschechischen Archiven fortzusetzen. Diese sind ebenfalls kostenlos online (siehe Ahnenforschung in Tschechien). Führt eine Spur ins Burgenland, hilft die Seite Ahnenforschung im Burgenland weiter.
Evangelische, jüdische Vorfahren und Findelkinder
- Evangelisch: Die beiden evangelischen Gemeinden Wiens (A.B. und H.B.) entstanden 1783 nach dem Toleranzpatent. Ihre Bücher stehen ebenfalls auf Matricula. Bis 1849 wurden evangelische Taufen, Trauungen und Sterbefälle zusätzlich in der zuständigen katholischen Pfarre eingetragen, weil nur diese rechtlich galt.
- Jüdisch: Die Matriken der Israelitischen Kultusgemeinde Wien sind laut Wiener Stadt- und Landesarchiv bei FamilySearch online einsehbar.
- Findelkinder: Ab 1784 bestanden in Wien ein Gebärhaus und ein Findelhaus. Kinder aus dem Gebärhaus wurden in der Pfarre Alser Vorstadt getauft, bevor sie ins Findelhaus kamen; deren Bücher sind auf Matricula. Die Protokolle des Findelhauses verwahrt das Wiener Stadt- und Landesarchiv; sie nennen auch Mutter und Pflegeeltern.
Wiener Stadt- und Landesarchiv und Meldezettel
Neben den Kirchenbüchern bietet das Wiener Stadt- und Landesarchiv weitere Quellen zu Personen:
- Historische Meldeunterlagen von etwa 1904 bis 1975 (wenn die Abmeldung bis 1975 erfolgte). Auskunft gibt es über ein Online-Formular, je Person ein Antrag; die Antwort kommt innerhalb von zwei Monaten per E-Mail.
- Totenbeschauprotokolle 1648 bis 1920, online bei FamilySearch.
- Verlassenschaften und Testamente von 1783 bis etwa 1975, einzusehen im Lesesaal.
- Die in Wien Verstorbenen ab 1920 (bis 1942, mit einer Lücke 1940/41) sind im Wiener Archivinformationssystem (WAIS) mit Namen und Sterbedatum online durchsuchbar.
Die wichtigsten Quellen im Überblick
| Quelle | was | Zeitraum | online? |
|---|---|---|---|
| Matriken der Erzdiözese Wien | Tauf-, Trauungs-, Sterbebücher | ab 16./17. Jh. bis 1938 (Taufen bis zur Sperrfrist) | ja, kostenlos auf Matricula |
| Evangelische Matriken Wien (A.B., H.B.) | Bücher der evangelischen Gemeinden | ab 1783 (mit Lücken) | ja, auf Matricula |
| GenTeam-Indizes | Namensverzeichnisse | u. a. kath. Trauungen Wien 1542–1860 | ja, kostenlose Registrierung |
| Adressbuch „Lehmann“ | Bewohner, Adressen, ab 1887 Pfarre je Straße | 1859–1942 | ja, Wienbibliothek digital |
| Wien Geschichte Wiki | Pfarrzugehörigkeit je Straße | bis 1938 | ja |
| Historische Meldeunterlagen (WStLA) | An- und Abmeldungen | ca. 1904–1975 | nein, Auskunft auf Antrag |
| Totenbeschauprotokolle (WStLA) | Sterbefälle | 1648–1920 | ja, FamilySearch |
| Standesamt | Personenstandsbücher | Ehen ab 1.8.1938, Geburten und Sterbefälle ab 1.1.1939 | nein |
Häufige Fragen
Wo finde ich Wiener Kirchenbücher online?
Auf dem Portal Matricula unter „Österreich – Wien“. Alle katholischen Pfarren der Erzdiözese Wien sind dort bis 1938 erfasst, Taufbücher bis zur 100-Jahres-Sperrfrist. Die Einsicht ist kostenlos.
In welcher Pfarre wurde mein Vorfahr in Wien getauft?
In der Pfarre, zu der die Wohnadresse der Eltern gehörte. Die Zuordnung je Straße finden Sie im Wien Geschichte Wiki; die Adresse liefern Familienpapiere, Meldezettel oder das Adressbuch „Lehmann“.
Wie bekomme ich einen alten Meldezettel aus Wien?
Das Wiener Stadt- und Landesarchiv verwahrt historische Meldeunterlagen von etwa 1904 bis 1975. Auskunft beantragen Sie über das Online-Formular der Stadt Wien, für jede Person gesondert.
Mein Vorfahr kam aus Böhmen – wie geht es weiter?
Ermitteln Sie zuerst den Herkunftsort, etwa aus Wiener Kirchenbucheinträgen, Familienpapieren oder Meldeunterlagen. Mit dem Ort finden Sie die zuständige Pfarre in Tschechien; deren Kirchenbücher sind in den Online-Portalen der tschechischen Regionalarchive kostenlos zugänglich.
Meine Urgroßmutter war ein Findelkind – gibt es Unterlagen?
Ja, oft. Kinder aus dem Wiener Gebärhaus wurden in der Pfarre Alser Vorstadt getauft; die Protokolle des Findelhauses liegen im Wiener Stadt- und Landesarchiv und nennen meist die Mutter.
Wo finde ich jüdische Vorfahren aus Wien?
In den Matriken der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, die bei FamilySearch online einsehbar sind. Das Wiener Stadt- und Landesarchiv verweist selbst auf diesen Bestand.
Ahnenforschung in Wien – und darüber hinaus
Ahnenkette forscht in allen Wiener Pfarren und folgt Ihrer Linie auch dorthin, wo sie herkommt: nach Böhmen, Mähren und Schlesien, in die anderen Bundesländer oder nach Slowenien. Sie erhalten eine Ahnenlinie über bis zu 8 Generationen zum Festpreis von 199 € inkl. USt, ab den Urgroßeltern im Kirchenbuch belegt, jeder Eintrag mit Abschrift und Fundstelle.