Ahnenforschung in Tschechien: Kirchenbücher aus Böhmen, Mähren und Schlesien
Ahnenforschung in Tschechien: Wo die Kirchenbücher aus Böhmen, Mähren und Schlesien liegen, welche Archivportale es gibt, wie Sie deutsche und tschechische Ortsnamen zuordnen und warum so viele Wiener Familien dort ihre Wurzeln haben.
Warum viele österreichische Familien Wurzeln in Tschechien haben
Böhmen, Mähren und (Österreichisch-)Schlesien gehörten bis 1918 zur Habsburgermonarchie. Schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zogen viele Menschen von dort nach Wien, und mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wurde die Zuwanderung noch deutlich stärker. Bei der Volkszählung 1900 gaben in Wien rund 103.000 von 1,7 Millionen Einwohnern Tschechisch oder Slowakisch als Sprache an – die Zahl der Menschen mit Wurzeln in Böhmen und Mähren war weit größer. Wer eine Wiener Linie zurückverfolgt, landet deshalb oft nach wenigen Generationen in einem böhmischen oder mährischen Dorf (siehe Ahnenforschung in Wien).
Wo liegen die Kirchenbücher? Archive und Portale
Anders als in Österreich liegen die alten Matriken in Tschechien nicht bei der Kirche, sondern in den staatlichen Gebietsarchiven. Jedes betreut eine Region und stellt die Bücher in einem eigenen Portal online. Ein gemeinsames Portal für das ganze Land gibt es nicht.
| Quelle | was | Zeitraum | online? |
|---|---|---|---|
| SOA Praha – eBadatelna | Matriken aus Mittelböhmen | Beginn bis zur Sperrfrist | ja, ohne Anmeldung |
| Archiv der Stadt Prag – Praga Publica | Matriken der Prager Pfarren | ab dem späten 16. Jh. | ja |
| SOA Třeboň – DigiArchiv | Matriken aus Südböhmen | Beginn bis zur Sperrfrist | ja |
| SOA Plzeň – Porta fontium | Matriken aus Westböhmen (Pilsen, Egerland, Karlsbad) | Beginn bis zur Sperrfrist | ja |
| SOA Litoměřice – Digitální badatelna | Matriken aus Nordböhmen | Beginn bis zur Sperrfrist | ja |
| SOA Hradec Králové, Abteilung Zámrsk – ARON | Matriken aus Ostböhmen | Beginn bis zur Sperrfrist | ja |
| Mährisches Landesarchiv Brünn – Acta Publica | Matriken aus Südmähren, dem Raum Zlín und der Vysočina | Beginn bis zur Sperrfrist | ja, ohne Anmeldung |
| Landesarchiv Troppau (Opava) – Digitální badatelna | Matriken aus Nord- und Mittelmähren (Olmütz) und Schlesien | Beginn bis zur Sperrfrist | ja |
| Matrikelämter (matriční úřady) | jüngere Bücher und staatliche Matriken ab 1950 | Bücher mit Einträgen innerhalb der Sperrfrist | nein |
Wie man in einem Matrikenportal blättert, zeigt unsere Matricula-Anleitung – die tschechischen Portale sehen anders aus, folgen aber demselben Prinzip: Ort wählen, Buch wählen, Seite für Seite lesen.
Ab wann gibt es Kirchenbücher?
Einzelne Bruchstücke reichen bis 1441 zurück, vollständig erhaltene Bücher gibt es ab den 1590er-Jahren. Die meisten erhaltenen Matriken beginnen aber erst nach 1620. Ab 1784 war die Führung der Kirchenbücher gesetzlich vorgeschrieben, in vorgedruckten Tabellen, wie in ganz Österreich.
Latein, Deutsch, Tschechisch
Die Sprache der Einträge wechselt je nach Zeit, Gegend und Pfarrer zwischen Latein, Deutsch und Tschechisch. In der Prager Diözese wurde 1760 eine einheitliche lateinische Eintragsformel eingeführt; später wurde das Latein zunehmend durch Deutsch und Tschechisch ersetzt. Deutsche Einträge sind meist in Kurrent geschrieben (Kurrentschrift lesen), lateinische folgen festen Formeln (Latein im Kirchenbuch). Tschechische Einträge verwenden eigene Bezeichnungen für Monate, Berufe und Verwandtschaft; ein kleines Wörterverzeichnis hilft.
Deutsche und tschechische Ortsnamen
Viele Familien kennen nur den deutschen Ortsnamen – Brünn, Iglau, Znaim, Budweis. Die Archive ordnen ihre Bestände aber nach dem tschechischen Namen: Brno, Jihlava, Znojmo, České Budějovice. Bei kleinen Dörfern ist die Zuordnung oft nicht offensichtlich. Helfen können:
- Acta Publica (Brünn): Die Ortssuche akzeptiert auch die deutsche Namensform, mit oder ohne Sonderzeichen.
- Das Ortslexikon des Archivs Litoměřice nennt für Nordböhmen den amtlichen tschechischen und deutschen Namen, das zuständige Pfarramt und den Bezirk.
- Das Ortsverzeichnis von GenTeam (kostenlose Anmeldung) enthält Orte in Tschechien, Österreich, der Slowakei und Slowenien mit alten und heutigen Namen, der zuständigen Pfarre, dem Beginn der Matriken und dem Archivbereich.
Jüngere Bücher und Matrikelamt
Ein Kirchenbuch kommt erst ins Archiv, wenn seit dem letzten Eintrag genug Zeit vergangen ist: bei Geburten 100 Jahre, bei Trauungen und Sterbefällen 75 Jahre. Ein Taufbuch, das 1880 beginnt und bis 1930 reicht, bleibt also beim Matrikelamt, obwohl die ersten Einträge viel älter sind. Bücher, die nicht im Portal stehen, liegen beim zuständigen Matrikelamt (matriční úřad).
Seit 1. Jänner 1950 führt in der damaligen Tschechoslowakei der Staat die Matriken; die kirchlichen Bücher gingen damals an die Behörden. Vorher führten die Pfarren die amtlichen Bücher; nur für Menschen ohne Religionsbekenntnis gab es schon seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eigene zivile Matriken. In die Bücher beim Matrikelamt dürfen nur die betroffene Person, ihre Familienangehörigen (unter anderem Eltern, Kinder, Geschwister, Großeltern, Enkel und Urenkel) oder Personen mit nachgewiesenem rechtlichem Interesse Einsicht nehmen.
Typische Hürden
- Der Herkunftsort ist unbekannt: Ohne den genauen Ort ist die Suche in Tschechien kaum möglich. Er steht manchmal im Wiener Trauungseintrag; sonst helfen Taufpaten und Trauzeugen, die oft aus derselben Gegend stammten.
- Grenzpfarren: Zwischen 1938 und 1946 wurden einige südböhmische Pfarren von den Diözesen St. Pölten und Linz verwaltet. Die Matriken der damals von Linz verwalteten Pfarren liegen heute im Archiv Třeboň.
- Das Buch fehlt im Portal: Dann reicht es meist über die Sperrfrist hinaus und liegt noch beim Matrikelamt.
Ein Beispiel: Die Wiener Familie Steiner kennt nur „Iglau“ als Herkunft. Das ist die Stadt Jihlava; die Bücher stehen bei Acta Publica. Stammte der Urgroßvater aber aus einem Dorf in der Umgebung, braucht es die genaue Pfarre.
Häufige Fragen
Wo finde ich tschechische Kirchenbücher online?
In den Portalen der staatlichen Gebietsarchive: eBadatelna (Mittelböhmen), DigiArchiv (Südböhmen), Porta fontium (Westböhmen), Digitální badatelna Litoměřice (Nordböhmen), ARON (Ostböhmen), Acta Publica (Südmähren) und Digitální badatelna Opava (Nordmähren, Olmütz, Schlesien). Die Einsicht ist kostenlos.
Brauche ich Tschechischkenntnisse?
Nicht unbedingt. Viele Einträge sind lateinisch oder deutsch, andere – je nach Zeit, Gegend und Pfarrer – tschechisch. Ab 1784 folgen sie festen Tabellen, sodass man mit einem kleinen Wörterverzeichnis gut zurechtkommt.
Wie finde ich den tschechischen Namen eines Ortes?
Über das Ortsverzeichnis von GenTeam, das Ortslexikon des Archivs Litoměřice oder die Ortssuche von Acta Publica, die auch deutsche Namen kennt.
Warum ist das Taufbuch für 1900 nicht online?
Ein Buch kommt erst ins Archiv, wenn der letzte Geburtseintrag darin 100 Jahre alt ist. Reicht das Buch bis in die 1930er-Jahre, liegt es noch beim Matrikelamt.
Wo liegen die Matriken aus Mähren?
Für Südmähren, den Raum Zlín und die Vysočina im Mährischen Landesarchiv Brünn (Portal Acta Publica), für Nord- und Mittelmähren mit Olmütz sowie Schlesien im Landesarchiv Troppau (Opava).
Ihre Linie aus Böhmen, Mähren und Schlesien
Ahnenkette forscht in Böhmen, Mähren und Schlesien und liest lateinische, deutsche und tschechische Einträge. Eine Ahnenlinie reicht über bis zu 8 Generationen; ab den Urgroßeltern ist sie im Archivportal belegt, jeder Eintrag mit Abschrift, Übersetzung lateinischer Einträge und Fundstelle.
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