Hofnamen und Vulgonamen: was sie bedeuten und wie sie bei der Ahnenforschung helfen
„Johann Steiner vulgo Unterberger“: Hofnamen, Hausnamen und Vulgonamen begleiten viele Familien in Österreich bis heute. Diese Seite erklärt, was ein Vulgoname ist, woher Hofnamen kommen, warum sie bleiben, wenn die Familie wechselt, und wie sie bei der Ahnenforschung helfen.
Was ein Vulgoname ist
Das lateinische „vulgo“ bedeutet „gemeinhin, gewöhnlich genannt“. Ein Vulgoname ist also der Name, den die Leute im Ort verwenden – für den Hof und für die Menschen, die darauf leben. Je nach Gegend spricht man vom Hofnamen, Hausnamen oder Vulgonamen.
Wie lebendig solche Namen sind, zeigt eine Untersuchung aus dem Weizer Bergland in der Oststeiermark: Rund um Weiz wurden 750 Vulgonamen erfasst, etwa 400 davon für Bauernhöfe, die übrigen für Keuschen und Weingarthäuser. Bei einer Dorfsuppe mit zwanzig Bauern genügte für die Bildunterschrift fast immer der Vulgoname; nur zweimal brauchte es den Familiennamen, um Verwechslungen zu vermeiden.
Woher Hofnamen kommen
Die Weizer Untersuchung unterscheidet vier Quellen, aus denen Vulgonamen gebildet sind, oft auch kombiniert:
| Herkunft | Was dahintersteckt |
|---|---|
| Familienname | der Name eines früheren Besitzers, der am Hof hängen geblieben ist |
| Vorname | ein früherer Besitzer, oft mit Familienname verbunden, etwa „Thoma“ oder „Seppl“ im Namen |
| Lage oder Gelände | Bach, Berg, Wald, Graben, Leiten – wo der Hof liegt |
| Beruf oder Handwerk | Schuster, Schneider, Müller, der auf dem Haus saß |
Wann ein solcher Name entstand, lässt sich oft aus den Besitzerlisten ablesen. In Weiz setzte man den Beginn eines Vulgonamens dort an, wo der Name des Besitzers aus den Listen verschwindet: Die Familie ist weg, ihr Name lebt am Hof weiter. Manche dieser Namen gehen auf das 17. Jahrhundert zurück, manche sind jünger.
Zwei Richtungen: vom Hof zur Familie und zurück
Vom Hof zum Familiennamen. Als im Spätmittelalter Beinamen allmählich fest und vererbbar wurden, kamen viele Familiennamen von der Wohnstätte. In den Vorauer Zinsregistern des 15. Jahrhunderts lässt sich verfolgen, wie aus „Jans am Hirsenhof“ ein Hirschhofer und aus „Fridlin am Varsthof“ ein Forsthofer wurde. In Tirol hat Josef Tarneller schon 1923 rund 4.000 Familiennamen beschrieben, die auf Hofnamen zurückgehen; mehr dazu unter Ahnenforschung Tirol.
Vom Familiennamen zum Hof. Umgekehrt wurde der Familienname eines Besitzers zum Namen des Hofes, als die Familie längst fort war – wie in den Weizer Beispielen.
Vorsicht vor Kurzschlüssen: Dass Ihr Familienname wie ein Hof oder Ort klingt, beweist nicht, dass Ihre Familie von dort stammt. Selbst bei Namen, die schon im 15. Jahrhundert belegt sind, ist die Entstehung an Ort und Stelle nicht gesichert. Sicher ist nur, was die Kirchenbücher Generation für Generation belegen.
Der Name bleibt, die Familie wechselt
Weil der Hofname am Haus hängt, überdauert er Besitzerwechsel. Ein Beispiel aus Patsch bei Innsbruck: Ein Haus, das seit 1627 belegt ist, hieß „Klaudeler“; ein späterer Besitzer wurde „Uhrmacher“ genannt, und dieser Name ging auf den Hof über und blieb bis ins 20. Jahrhundert in Gebrauch.
Für Ihre Forschung bedeutet das zweierlei:
- Ein Vorfahr kann unter dem Hofnamen bekannt gewesen sein, obwohl er ganz anders hieß – etwa weil er auf den Hof eingeheiratet hat.
- Familienüberlieferungen wie „wir sind die Unterberger“ meinen oft den Hof, nicht den Familiennamen. Fragen Sie ältere Verwandte nach Hof- und Hausnamen; sie sind oft der beste Hinweis auf den Ort.
Hofnamen im Kirchenbuch
Im Kirchenbuch kann der Hof als Zusatz zum Namen stehen: „zu“, „am“, „auf dem“ mit dem Hof oder Ort, manchmal auch „vulgo“. Ein Trauungseintrag aus Langenlois nennt etwa die Braut als Tochter des „Sebastian Hofer zu Enckheprun“. Seit dem Patent von 1784 verlangen alle drei Bücher außerdem die Hausnummer.
Hofname und Hausnummer helfen, gleichnamige Personen zu unterscheiden – in vielen Dörfern trugen mehrere Familien denselben Familiennamen. Notieren Sie beides bei jedem Eintrag. Wie die Einträge aufgebaut sind, zeigt Taufbuch, Trauungsbuch, Sterbebuch; was der Stand neben dem Namen bedeutet, steht unter Alte Berufe im Kirchenbuch.
Ein Beispiel mit einer erfundenen Familie: Im Taufbuch stehen 1790 zwei Johann Steiner als Väter. Der eine ist „Bauer am Unterberg, Haus Nr. 12“, der andere „Inwohner beim Oberhofer“. Ohne Hofname und Hausnummer wäre nicht zu sagen, welcher Ihr Vorfahr ist.
Wo Hofnamen verzeichnet sind
Für die Geschichte eines Hofes sind nicht die Kirchenbücher die Hauptquelle, sondern die Besitzverzeichnisse:
- Urbare und Stiftregister der Grundherrschaften: die Abgabenverzeichnisse vor 1848, meist in den Landesarchiven.
- Kataster: In Tirol verzeichnen Steuerkataster seit 1627 Höfe und Grundstücke; der Theresianische Kataster von 1775 hielt in Patsch die Söllhäuser fest. Für Oberösterreich, Niederösterreich und Salzburg bietet GenTeam Datenbanken zum Franziszeischen Kataster.
- Grundbücher: Aus ihnen wurden in Weiz die Vulgonamen gesammelt und mit den alten Urbaren zurückverfolgt. In Tirol übernahmen bis ins frühe 20. Jahrhundert die Verfachbücher diese Aufgabe.
- Heimatbücher und Ortschroniken: Manche Gemeinden haben die Geschichte ihrer Höfe und Hofnamen aufgeschrieben.
Was die Familie selbst an Übergabsverträgen oder Grundbuchsauszügen aufbewahrt, führt oft direkt zum Hof, siehe Elternhaus ausräumen.
Häufige Fragen
Was ist ein Vulgoname?
Der Name, unter dem ein Hof oder Haus und seine Bewohner im Ort bekannt sind. „Vulgo“ heißt „gemeinhin genannt“.
Ist der Hofname dasselbe wie der Familienname?
Nein. Der Hofname hängt am Haus und bleibt bei Besitzerwechsel oft gleich. Familienname und Hofname können übereinstimmen, müssen es aber nicht.
Woher kommt unser Hausname?
Oft vom Familien- oder Vornamen eines früheren Besitzers, von der Lage des Hofes oder von einem Handwerk, das dort betrieben wurde. Klären lässt sich das über die Besitzerlisten in Urbaren, Kataster und Grundbuch.
Stammt meine Familie von dem Hof, der so heißt wie wir?
Nicht unbedingt. Ein gleicher Name ist ein Hinweis, kein Beweis. Erst die lückenlose Kette der Einträge im Kirchenbuch zeigt, ob Ihre Linie dorthin führt.
Steht der Hofname im Kirchenbuch?
Manchmal, als Zusatz wie „zu“, „am“ oder „vulgo“ mit dem Hof. Ab 1784 steht in jedem Fall die Hausnummer dabei. Ob und wie regelmäßig der Hofname genannt wird, ist von Pfarre zu Pfarre verschieden.
Wo finde ich alte Hofnamen meines Ortes?
In Urbaren, Katastern und Grundbüchern, die in den Landesarchiven liegen, und in Heimatbüchern oder Ortschroniken der Gemeinde.
Hof und Familie zusammenbringen
In unserem Belegdossier steht jeder Eintrag im Wortlaut – mit Hofname und Hausnummer, soweit verzeichnet. So sehen Sie, auf welchem Hof Ihre Vorfahren lebten, über bis zu 8 Generationen ab Ihnen.