Matricula Online: Anleitung für Anfänger
Matricula Online ist das größte kostenlose Portal für Kirchenbücher in Österreich. Diese Anleitung zeigt Schritt für Schritt, wie Sie auf Matricula Ihre Pfarre finden, das richtige Buch öffnen und einen Eintrag später wiederfinden.
Was ist Matricula?
Matricula (data.matricula-online.eu) zeigt Aufnahmen von Matriken, so heißen die Kirchenbücher in Österreich. Das Portal ging 2009 online; gegründet haben es die Diözesanarchive von St. Pölten, Linz und Passau. Betreut wird es von ICARUS, dem Internationalen Zentrum für Archivforschung in Wien. Heute sind Bestände aus Österreich, Deutschland, Slowenien, Italien, Luxemburg, Serbien und Bosnien-Herzegowina zu finden.
Wichtig für den Anfang: Matricula ist kein Namensverzeichnis. Die Bücher sind nicht abgeschrieben, Sie sehen nur die Bilder der Seiten. Wer etwas finden will, braucht deshalb einen Ort und einen ungefähren Zeitraum.
Welche Diözesen Österreichs sind auf Matricula?
Die Kirchenbücher werden nach Pfarren geführt, und die Pfarren gehören zu Diözesen. Die Diözesengrenzen folgen nicht überall den Bundesländern.
| Gebiet | Diözese | Wo online? |
|---|---|---|
| Wien, östliches Niederösterreich | Erzdiözese Wien | Matricula |
| westliches Niederösterreich | St. Pölten | Matricula |
| Oberösterreich | Linz | Matricula |
| Salzburg | Erzdiözese Salzburg | Matricula (ohne die Tiroler Pfarren der Erzdiözese) |
| Steiermark | Graz-Seckau | Matricula, zusätzlich matriken.graz-seckau.at |
| Kärnten | Gurk-Klagenfurt | Matricula |
| Vorarlberg | Feldkirch | Matricula |
| Tirol mit Osttirol | Innsbruck und Tiroler Teil der Erzdiözese Salzburg | Matriken Tirol Online des Tiroler Landesarchivs |
| Burgenland | Eisenstadt | matriken.at der Diözese (kostenpflichtig, mit Anmeldung) |
| Südtirol | Bozen-Brixen | Portal des Südtiroler Landesarchivs |
Für Tirol führt Matricula ein Verzeichnis der Pfarren mit Links zu Matriken Tirol Online; die Bilder selbst liegen dort, ausgenommen Ampass und Innsbruck-Wilten. Matriken Tirol Online zeigt Taufbücher bis einschließlich 1923, Trauungs- und Sterbebücher bis einschließlich 1938. Viele evangelische Gemeinden haben auf Matricula eigene Bestände.
Schritt für Schritt zum Eintrag
- Pfarre finden. Über „Bestände“ wählen Sie Österreich, dann die Diözese, dann die Pfarre aus der Liste. Alternativ gibt es die „Ortssuche“ und eine „Landkarte“. Suchen Sie die Pfarre, nicht die Gemeinde: Beide sind oft nicht deckungsgleich.
- Buchtyp wählen. Die Pfarrseite listet alle Bücher in einer Tabelle mit Signatur, Matrikeltyp und Datum. Taufbücher (Geburten), Trauungsbücher (Hochzeiten) und Sterbebücher (Todesfälle) sind getrennt, dazu kommen Register, also alphabetische Namensverzeichnisse. Die Liste lässt sich nach Typ filtern.
- Zeitraum wählen. Die Spalte „Datum“ nennt die Jahre, die ein Buch umfasst. Die Signatur ist die Kurzbezeichnung des Buches, etwa „TFBXI“ für Taufbuch Band 11 in einer Salzburger Pfarre. Jede Diözese verwendet eigene Kürzel.
- Im Bild blättern. Mit einem Klick auf das Buch öffnet sich der Bildbetrachter. Daneben steht die Liste der Aufnahmen; Sie springen zu einer Bildnummer oder blättern mit den Pfeilen vor und zurück. Vergrößern Sie die Ansicht, um die Schrift zu lesen.
- Eintrag suchen. Die Einträge stehen nach Datum. Schätzen Sie, an welcher Stelle im Buch Ihr Jahr liegt, springen Sie dorthin und tasten Sie sich vor oder zurück.
Bildnummer und Seitenzahl: nicht dasselbe
Die Bildnummer zählt die Aufnahmen, vom Einband an. Leere Blätter, Vorsatzblätter und Doppelseiten verschieben die Zählung. Die Seitenzahl hat der Pfarrer selbst ins Buch geschrieben. Ältere Bücher sind oft nicht nach Seiten (pagina, abgekürzt pag.), sondern nach Blättern gezählt (folium, abgekürzt fol.). Dann steht die Zahl nur auf der Vorderseite; die Vorderseite heißt recto (r), die Rückseite verso (v) – „fol. 22v“ ist also die Rückseite von Blatt 22.
Register und Literaturangaben verweisen immer auf die Seite oder das Blatt im Buch, nie auf die Bildnummer. Mit etwas Glück liegen beide nahe beieinander; sonst blättern Sie von einer geschätzten Bildnummer aus, bis die gesuchte Zahl am Seitenrand erscheint.
Register nutzen
Viele Bücher haben ein Register: entweder als eigenen Band (in der Tabelle als Index gekennzeichnet) oder am Ende des Buches. Darin stehen die Familiennamen alphabetisch, bei Trauungen meist nach dem Namen des Bräutigams, mit Verweis auf Seite oder Blatt. Vereinzelt gibt es Register schon im 18. Jahrhundert, durchgehend erst ab dem 19. Jahrhundert. Fehlt ein Register, bleibt nur das Blättern Jahr für Jahr.
Den Fund sichern: Link und Fundstelle
Zu jedem Bild bietet Matricula einen „Direkten Link zum Bild“, den Sie aus einem Textfeld kopieren. Matricula garantiert aber nicht, dass diese Links dauerhaft gültig bleiben. Notieren Sie daher zusätzlich die Fundstelle, mit der sich jeder Eintrag wiederfinden lässt:
- Diözese bzw. Archiv, z. B. Erzdiözese Salzburg
- Pfarre
- Signatur des Buches
- Seite oder Blatt (und, als Hilfe, die Bildnummer)
Dazu gehören Name, Datum und die Art des Eintrags. So können Sie und andere den Eintrag auch in Jahren noch prüfen.
Typische Hürden
- Pfarre früher anders: Politische Gemeinden gibt es in Österreich erst seit 1849, die Pfarren sind meist viel älter. Unter Kaiser Joseph II. entstanden viele neue Pfarren, oft aus Filialkirchen. Deren Bücher beginnen meist erst um 1784; ältere Einträge stehen in der Vorgängerpfarre.
- Filialkirchen: Eine Kirche im Ort heißt nicht, dass der Ort eigene Bücher hatte. Prüfen Sie, zu welcher Pfarre der Ort zur gesuchten Zeit gehörte; Auskunft gibt das jeweilige Diözesanarchiv.
- Schrift: Deutsche Einträge sind meist in Kurrent geschrieben. Wie man sie lesen lernt, zeigt die Seite Kurrentschrift lesen.
- Latein: Vor 1784 sind die Einträge meist lateinisch. Die häufigsten Wörter finden Sie unter Latein im Kirchenbuch.
- Schreibweisen: Familiennamen wurden nach Gehör geschrieben. Steiner kann auch als Stainer oder Stayner erscheinen.
- Sperrfristen: Nach § 52 Personenstandsgesetz 2013 endet die Einsichtsbeschränkung 100 Jahre nach einer Geburt, 75 Jahre nach einer Trauung und 30 Jahre nach einem Todesfall. Jüngere Bilder zeigt Matricula nicht an. Seit 1939 (Trauungen seit August 1938) führen in Österreich die Standesämter die Personenstandsbücher; spätere Kirchenbücher sind nicht auf Matricula. Wie Sie an jüngere Einträge kommen, erklärt Urkunden der Vorfahren bestellen.
Nutzungsbedingungen in Kürze
Matricula ist kostenlos zugänglich; die Daten dürfen Sie nur im Rahmen des Personenstands- und Datenschutzrechts nutzen. Die Bilder stehen unter der Lizenz CC BY-NC-ND 2.0: Eine kommerzielle Weiterverwertung ist nicht gestattet, Veränderungen der Bilder ebenfalls nicht. Wer mit Bildern oder Daten aus Matricula ein Druckwerk oder eine Online-Publikation erstellt, auch nur geringfügig und auch als Familienchronik, muss das zuständige Archiv bzw. die Diözese darüber informieren; bei Online-Veröffentlichungen genügt als Quellenangabe der Link.
Matriken Tirol Online ist strenger: Die Daten dürfen nur für wissenschaftliche und private Zwecke genutzt werden. Für Veröffentlichung, Weitergabe an Dritte oder Vervielfältigung braucht es eine schriftliche Genehmigung der Diözesen.
Häufige Fragen
Kostet Matricula etwas?
Nein. Matricula ist frei und kostenlos zugänglich. Von den österreichischen Portalen ist nur matriken.at für das Burgenland kostenpflichtig.
Kann ich auf Matricula nach Namen suchen?
Nein. Gesucht wird nach Ort und Pfarre, dann blättern Sie im Buch. Abkürzen lässt sich das mit den Registern, die viele Bücher haben.
Warum finde ich Tirol nicht auf Matricula?
Die Tiroler Kirchenbücher liegen bei Matriken Tirol Online, dem Portal des Tiroler Landesarchivs. Matricula listet die Tiroler Pfarren nur und verlinkt dorthin.
Warum wird ein Bild nicht angezeigt?
Meist fällt das Buch noch in eine Sperrfrist: 100 Jahre bei Taufen, 75 bei Trauungen, 30 bei Sterbefällen. Für jüngere Einträge sind die Pfarre oder das Standesamt zuständig. Ganz am Anfang? Siehe Ahnenforschung anfangen.
Wie gebe ich einen Eintrag aus Matricula richtig an?
Mit Diözese, Pfarre, Signatur des Buches und Seite oder Blatt, dazu der Link zum Bild. Die Bildnummer allein reicht nicht.
Darf ich Bilder aus Matricula in meine Familienchronik geben?
Für den privaten Gebrauch ja. Bei einer Veröffentlichung, gedruckt oder online, müssen Sie das zuständige Archiv informieren; kommerzielle Verwendung ist nicht erlaubt. Für Tiroler Bilder braucht es eine schriftliche Genehmigung.
Jede Fundstelle zum Nachprüfen
Eine Ahnenlinie von Ahnenkette ist ab den Urgroßeltern im Kirchenbuch belegt, jeder Eintrag mit Abschrift, Übersetzung lateinischer Einträge, Fundstelle sowie Link und QR-Code zum Original – so finden Sie jeden Eintrag selbst wieder.