Ahnenkette Bestellen

Latein im Kirchenbuch: die wichtigsten Begriffe mit Übersetzung

Baptizatus, levans, copulati, sepultus: Latein im Kirchenbuch wirkt fremd, folgt aber festen Mustern. Hier finden Sie die häufigsten Wörter aus Tauf-, Trauungs- und Sterbeeinträgen mit Übersetzung, dazu Monate, Zahlen und ein Musterbeispiel.

Kurz gesagt: In Österreich sind Kirchenbucheinträge vor 1784 meist lateinisch, danach grundsätzlich deutsch. Die Einträge sind fast immer gleich aufgebaut, daher reichen die wichtigsten Vokabeln. Die Endung -us steht für Männer, -a für Frauen. Vorsicht bei den Monaten: 7bris heißt September, nicht Juli.

Drei Grundregeln für Kirchenbuch-Latein

Mit dem Patent Kaiser Josephs II. vom 20. Februar 1784 mussten die Pfarrer Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher nach staatlichen Vorgaben führen: in vorgedruckten Spalten und grundsätzlich auf Deutsch. In Salzburg, das erst später zu Österreich kam, beginnen diese staatlich geregelten Bücher am 1. Mai 1819. Wer weiter zurückforscht, trifft auf frei formulierte lateinische Texte. Drei Regeln helfen beim Lesen:

  • Männlich und weiblich: natus = geboren (Bub), nata = geboren (Mädchen); filius = Sohn, filia = Tochter.
  • Vornamen sind latinisiert und gebeugt: Joannes = Johann, Josephus = Josef, Georgius = Georg. „Filius Josephi“ heißt „Sohn des Josef“, „Mariae“ heißt „der Maria“.
  • Familiennamen von Frauen tragen in Süddeutschland und Österreich oft die Endung -in: Hoferin bedeutet Frau aus der Familie Hofer.

Wörter im Taufbuch

Latein Deutsch
liber baptizatorum Taufbuch
baptizatus / baptizata est wurde getauft
natus / nata geboren
infans, puer, puella Kind, Bub, Mädchen
filius / filia legitimus / legitima ehelicher Sohn / eheliche Tochter
illegitimus, naturalis, spurius unehelich
legitimatus per subsequens matrimonium durch die spätere Heirat der Eltern ehelich gemacht
parentes Eltern
coniuges Eheleute
patrinus / matrina Taufpate / Taufpatin
levans, susceptor Pate oder Patin (wörtlich: wer das Kind aus der Taufe hebt)
gemelli Zwillinge
posthumus nach dem Tod des Vaters geboren
obstetrix Hebamme
baptizans, parochus, cooperator taufender Priester, Pfarrer, Hilfspriester (Kooperator)

Wörter im Trauungsbuch

Latein Deutsch
liber copulatorum, liber matrimoniorum Trauungsbuch
copulati sunt, matrimonio iuncti sunt wurden getraut
sponsus / sponsa Bräutigam / Braut
adolescens, iuvenis lediger junger Mann
virgo Jungfrau, ledige Braut
solutus / soluta, caelebs ledig
viduus / vidua, relicta Witwer / Witwe, hinterlassene Witwe
uxor, maritus Ehefrau, Ehemann
honestus / honesta ehrbar
testes Trauzeugen
proclamationes, denuntiationes Aufgebot
impedimentum Ehehindernis
dispensatio, dispensati Befreiung (Dispens), befreit
consanguinitas / affinitas Blutsverwandtschaft / Schwägerschaft
in tertio gradu im dritten Grad

Ein Vermerk wie „dispensati in tertio gradu consanguinitatis“ zeigt, dass Braut und Bräutigam verwandt waren. Wie die Kirche diese Grade zählte, erklärt die Seite Verwandtschaftsgrade.

Wörter im Sterbebuch

Latein Deutsch
liber defunctorum, liber mortuorum Sterbebuch
obiit, defunctus / defuncta est, mortuus / mortua est ist gestorben
sepultus / sepulta est wurde begraben
aetatis suae im Alter von
annorum, mensium, hebdomadarum, dierum … Jahre, Monate, Wochen, Tage alt
omnibus sacramentis rite provisus mit allen Sakramenten versehen
coemeterium Friedhof
quondam, olim einst; vor einem Namen: der verstorbene
piae memoriae (p. m.) seligen Angedenkens, also bereits verstorben

Berufe und Stand

Latein Deutsch Latein Deutsch
rusticus, agricola, colonus Bauer civis Bürger einer Stadt
hospes, caupo Wirt incola Einwohner
inquilinus Inwohner huiatis hiesig
famulus / ancilla Knecht / Magd ludimagister Schulmeister, Lehrer
faber ferrarius Schmied molitor Müller
sartor Schneider sutor Schuster
textor Weber pistor Bäcker
murarius Maurer lanio Fleischhauer
aedituus Mesner miles Soldat

Monate, Zahlen und Uhrzeit

Steht statt eines Datums ein Fest oder Sonntag, etwa „Dominica Laetare“ oder „feria sexta“, hilft die Seite Datum nach Festtagen.

Monate stehen meist im zweiten Fall: „die 9. Septembris“ heißt „am 9. September“. Ab September wurde oft mit Ziffern abgekürzt – der Name enthält die alte römische Zählung, bei der das Jahr im März begann.

Latein Monat Latein Monat
Januarii Jänner Julii Juli
Februarii Februar Augusti August
Martii März Septembris, 7bris September
Aprilis April Octobris, 8bris Oktober
Maii Mai Novembris, 9bris November
Junii Juni Decembris, 10bris, Xbris Dezember
Zahl Grundzahl Ordnungszahl
1 unus primus (oft 1mo, 1ma)
2 duo secundus (2do, 2da)
3 tres tertius (3tio, 3tia)
4 quattuor quartus
5 quinque quintus
6 sex sextus
7 septem septimus
8 octo octavus
9 novem nonus
10 decem decimus
20 viginti vicesimus
30 triginta tricesimus

Zur Uhrzeit: hora = Stunde, mane = morgens, meridies = Mittag, vespertina hora = abends, nocte = in der Nacht. Weitere hilfreiche Wörter: eodem die = am selben Tag, postridie = am folgenden Tag, ibidem = ebendort, huius = dieses (Monats).

Abkürzungen

Was ständig vorkam, kürzte der Pfarrer ab. Typisch sind:

  • fil. leg. = filius legitimus, ehelicher Sohn
  • bapt. = baptizatus, getauft
  • p. m. = piae memoriae, verstorben; Mehrzahl pp. mm. In einer Uhrzeit bedeutet p. m. dagegen post meridiem, nachmittags.
  • sel. = selig, in deutschen Einträgen für bereits verstorben
  • 7bris, 8bris, 9bris, Xbris = September bis Dezember

Viele Einträge mischen Latein und Deutsch, und die Handschrift selbst ist oft Kurrent. Wie Sie die Buchstaben erkennen, zeigt Kurrentschrift lesen; wo Sie die Bücher finden, steht in der Matricula-Anleitung.

Musterbeispiel: ein Taufeintrag Schritt für Schritt

Das folgende Beispiel ist ausgedacht. Die Familie Steiner und alle Namen und Orte darin sind erfunden; der Eintrag zeigt nur, wie ein lateinischer Taufeintrag des 18. Jahrhunderts typischerweise aufgebaut ist.

Anno 1771, die 9na 7bris, hora 4ta matutina nata et eodem die a me Josepho Huber cooperatore baptizata est Maria Anna, filia legitima Joannis Georgii Steiner, rustici in Oberhof, et Catharinae Pfisterin, coniugum. Levans fuit Anna Lechnerin, hospitis huiatis uxor. Obstetrix Ursula Mayrin.

Übersetzung: Im Jahr 1771, am 9. September, um 4 Uhr früh wurde geboren und am selben Tag von mir, Josef Huber, Kooperator, getauft: Maria Anna, eheliche Tochter des Johann Georg Steiner, Bauer in Oberhof, und der Katharina Pfister, Eheleute. Patin war Anna Lechner, Ehefrau des hiesigen Wirts. Hebamme Ursula Mayr.

  1. Datum: „9na 7bris“ ist der 9. September. Geburt und Taufe fielen hier auf denselben Tag (eodem die).
  2. Kind: nata und baptizata enden auf -a, also ein Mädchen.
  3. Eltern: Joannis Georgii und Catharinae stehen im zweiten Fall – „des Johann Georg“ und „der Katharina“. „Legitima“ und „coniugum“ zeigen: verheiratete Eltern.
  4. Für die Forschung: Beruf und Hof des Vaters helfen, ihn von Namensgleichen zu unterscheiden. Pate oder Patin stammen oft aus der näheren Verwandtschaft; ihr Herkunftsort kann auf die Herkunft der Familie hinweisen.

Häufige Fragen

Was bedeutet 7bris im Kirchenbuch?

September. Ebenso steht 8bris für Oktober, 9bris für November und Xbris oder 10bris für Dezember.

Was heißt levans im Taufbuch?

Pate oder Patin – wörtlich die Person, die das Kind aus der Taufe hebt. Gleichbedeutend sind patrinus, matrina und susceptor.

Was bedeutet filius illegitimus oder spurius?

Beides heißt unehelicher Sohn. Oft fehlt dann der Name des Vaters. Ein späterer Vermerk „legitimatus“ zeigt, dass das Kind durch die Heirat der Eltern ehelich wurde. Wie Sie dann weitersuchen, steht unter Uneheliche Geburt im Kirchenbuch.

Was heißt p. m. im Trauungsbuch?

Piae memoriae, seligen Angedenkens: Die so bezeichnete Person, meist ein Elternteil des Brautpaares, war zur Hochzeit schon verstorben.

Was bedeutet copulati sunt?

„Sie wurden getraut.“ Danach folgen meist Braut, Bräutigam, deren Eltern und die Trauzeugen (testes).

Brauche ich Lateinkenntnisse für die Ahnenforschung?

Nicht im Sinne eines Lateinkurses. Die Einträge sind fast immer gleich aufgebaut; mit den Wörtern auf dieser Seite lassen sich die meisten verstehen.

Ab wann sind Kirchenbücher auf Deutsch?

In Österreich grundsätzlich ab dem Patent vom 20. Februar 1784. Ältere Einträge sind meist lateinisch.

Lateinische Einträge übersetzt

Die ältesten Personen einer Ahnenlinie über acht Generationen sind meist zwischen 1750 und 1800 geboren, oft vor 1784 – dann sind die Einträge lateinisch. Im Belegdossier von Ahnenkette steht zu jedem Eintrag die Abschrift, bei lateinischen Einträgen mit Übersetzung, dazu Fundstelle, Link und QR-Code zum Original.

Ahnenlinie bestellen So sieht das Ergebnis aus