Ahnenforschung in Niederösterreich: Kirchenbücher aus St. Pölten und der Erzdiözese Wien
Ahnenforschung in Niederösterreich: Die Kirchenbücher des Landes verteilen sich auf zwei Diözesen – St. Pölten und die Erzdiözese Wien. Hier lesen Sie, wo Sie welche Pfarre finden, ab wann die Bücher beginnen und welche Hürden typisch sind.
Zwei Diözesen: Wer ist für welche Pfarre zuständig?
Die Matriken – so heißen in Österreich die Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher – werden von der Diözese verwaltet, zu der die Pfarre gehört. Niederösterreich ist kirchlich geteilt:
- Diözese St. Pölten: der Westen des Landes mit Waldviertel, Mostviertel und Tullnerfeld. Die Diözese besteht seit 1785; vorher gehörte das Gebiet zum Bistum Passau.
- Erzdiözese Wien: die östliche Hälfte Niederösterreichs mit Weinviertel und Industrieviertel – dazu die Stadt Wien (siehe Ahnenforschung in Wien).
Wenn Sie nicht wissen, zu welcher Diözese ein Ort gehört: Suchen Sie den Ort einfach auf beiden Matricula-Seiten. Die Pfarren sind dort alphabetisch aufgelistet.
Angrenzende Gebiete: Wien, Oberösterreich, Steiermark, Burgenland und Tschechien (Böhmen, Mähren).
Kirchenbücher aus Niederösterreich online: Matricula
Niederösterreich ist die Heimat von Matricula: Das Portal entstand 2008 im Diözesanarchiv St. Pölten und vereint heute Kirchenbücher aus vielen Diözesen Europas. Die Einsicht ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich.
- Diözese St. Pölten auf Matricula: Die Matriken aller Pfarren der Diözese sind online. Weitere digitalisierte Bestände – etwa aus Pfarrarchiven – finden Sie in der Archivdatenbank des Diözesanarchivs St. Pölten.
- Erzdiözese Wien auf Matricula: Die Bücher aller Pfarren sind vom Beginn bis 1938 digitalisiert; die Arbeit wurde 2016 abgeschlossen. Unter „Wien“ finden Sie auf Matricula auch die Pfarren des Wein- und Industrieviertels.
Wie Sie auf Matricula eine Pfarre aufrufen und durch die Bücher blättern, zeigt unsere Matricula-Anleitung. Die Einträge sind in Kurrentschrift oder auf Latein geschrieben – Hilfe bieten Kurrentschrift lesen und Latein im Kirchenbuch.
Ab wann gibt es Kirchenbücher – und bis wann sind sie zugänglich?
Die ältesten Bücher der Diözese St. Pölten beginnen 1579 in Wilhelmsburg. In den meisten Pfarren Österreichs setzen die Matriken aber erst nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 ein. Im Osten Niederösterreichs beginnen viele Bücher noch später: erst nach 1683 (Türkenkrieg) oder nach 1709 (Kuruzzen-Unruhen), weil ältere Bände in diesen Kriegszeiten verloren gingen. Für eine Ahnenlinie, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht, genügt das in aller Regel.
Für jüngere Einträge gelten in ganz Österreich Sperrfristen nach dem Personenstandsgesetz:
- Taufbücher: 100 Jahre
- Trauungsbücher: 75 Jahre
- Sterbebücher: 30 Jahre
Seit 1. August 1938 beurkunden staatliche Stellen die Ehen, seit 1. Jänner 1939 sind für Geburten und Sterbefälle ausschließlich die Standesämter zuständig. Einträge ab dann bekommen Sie beim Standesamt des Ereignisortes.
Gesperrte kirchliche Einträge sehen nur bestimmte Personen ein. Das Diözesanarchiv Wien etwa gewährt Einsicht bei Verwandtschaft in gerader Linie (Kinder, Eltern, Großeltern) oder bei rechtlichem Interesse, etwa in einer Erbsache – mit Geburtsurkunden als Nachweis, Ausweiskopie und gegebenenfalls Vollmacht. Für die Diözese St. Pölten erkundigen Sie sich direkt beim Diözesanarchiv.
Evangelische Vorfahren in Niederösterreich
Mit dem Toleranzpatent Josephs II. vom 13. Oktober 1781 durften Evangelische wieder eigene Gemeinden bilden; in Niederösterreich entstand etwa 1785 die Toleranzgemeinde Mitterbach. Für die Suche gilt:
- Von 1781 bis 1849 hatten evangelische Bücher keine eigene Rechtskraft. Evangelische Taufen, Trauungen und Sterbefälle wurden deshalb zusätzlich in die zuständige katholische Pfarre eingetragen, mit dem Vermerk „evangelisch“.
- Ab 1849 waren die evangelischen Matriken gleichgestellt.
- Die Bücher der evangelischen Gemeinden Niederösterreichs (A.B.) stehen ebenfalls auf Matricula.
Typische Hürden bei der Ahnenforschung in Niederösterreich
- Die falsche Diözese: Wer eine Weinviertler Pfarre unter St. Pölten sucht, findet sie nicht. Sie steht unter der Erzdiözese Wien.
- Neue Pfarren ab 1783: Unter Joseph II. wurden ab 1783 viele Pfarren neu gegründet. Ältere Einträge eines Ortes stehen dann in den Büchern der Pfarre, zu der er vorher gehörte.
- Bücher nach Ortschaften geordnet: Ab 1784 musste für jeden Ort einer Pfarre ein eigener Abschnitt geführt werden. Kennen Sie nur die Pfarre, aber nicht den Ort, müssen Sie oft viele kleine Ortschaften durchsehen – ein bekanntes Problem etwa im Mostviertel.
- Bücherverluste im Osten des Landes durch die Kriege des 17. und frühen 18. Jahrhunderts (siehe oben).
- Uneheliche Kinder: Seit 1784 durfte der Vater nur eingetragen werden, wenn er sich selbst dazu bekannte. Fehlt er, geht die Linie über die Mutter weiter.
- Herkunft über die Grenze: Wald- und Weinviertel grenzen an Böhmen und Mähren. Führt ein Eintrag dorthin, geht die Suche in tschechischen Archiven weiter (siehe Ahnenforschung in Tschechien).
Die wichtigsten Quellen im Überblick
| Quelle | was | Zeitraum | online? |
|---|---|---|---|
| Matriken der Diözese St. Pölten (Wald-, Mostviertel, Tullnerfeld) | Tauf-, Trauungs-, Sterbebücher | Beginn bis zur Sperrfrist | ja, kostenlos auf Matricula |
| Matriken der Erzdiözese Wien (Wein-, Industrieviertel) | Tauf-, Trauungs-, Sterbebücher | Beginn bis 1938 (Taufen bis zur Sperrfrist) | ja, kostenlos auf Matricula |
| Evangelische Matriken Niederösterreich (A.B.) | Bücher der evangelischen Gemeinden | ab Gründung der Gemeinde | ja, auf Matricula |
| Archivdatenbank Diözesanarchiv St. Pölten | weitere Bestände, teils digitalisiert | verschieden | teilweise |
| Diözesanarchive und Pfarrämter | gesperrte Einträge, Auskünfte | Taufen jünger als 100, Trauungen jünger als 75 Jahre | nein, Anfrage |
| Standesamt | Personenstandsbücher | Ehen ab 1.8.1938, Geburten und Sterbefälle ab 1.1.1939 | nein |
Häufige Fragen
Wo finde ich Kirchenbücher aus Niederösterreich online?
Auf dem Portal Matricula, und zwar je nach Pfarre unter „St. Pölten“ (Waldviertel, Mostviertel, Tullnerfeld) oder unter „Wien“ (Weinviertel, Industrieviertel). Beide Bestände sind vollständig online und kostenlos.
Gehört mein Ort zur Diözese St. Pölten oder zur Erzdiözese Wien?
Faustregel: Westen (Wald- und Mostviertel) St. Pölten, Osten (Wein- und Industrieviertel) Wien. Im Zweifel suchen Sie die Pfarre auf beiden Matricula-Listen.
Warum beginnen die Taufbücher meiner Pfarre erst um 1690?
Im Osten Niederösterreichs gingen viele ältere Bücher im Türkenkrieg 1683 oder in den Kuruzzen-Unruhen bis 1709 verloren. Die erhaltenen Bücher setzen dann erst danach ein.
Wo finde ich evangelische Vorfahren aus Niederösterreich?
In den Büchern der evangelischen Gemeinden auf Matricula und bis 1849 zusätzlich in der katholischen Pfarre des Wohnorts, wo evangelische Fälle mit Vermerk eingetragen wurden.
Wie komme ich an Einträge nach 1938?
Für Ehen ab 1. August 1938 und Geburten und Sterbefälle ab 1939 ist das Standesamt des Ereignisortes zuständig. Für ältere, aber noch gesperrte Einträge fragen Sie beim zuständigen Diözesanarchiv an; die Erzdiözese Wien etwa gibt Auskunft bei direkter Verwandtschaft oder rechtlichem Interesse.
Ahnenforschung in Niederösterreich im Auftrag
Ahnenkette forscht in allen Pfarren Niederösterreichs, in der Diözese St. Pölten ebenso wie im niederösterreichischen Teil der Erzdiözese Wien. Sie erhalten eine Ahnenlinie über bis zu 8 Generationen zum Festpreis von 199 € inkl. USt, ab den Urgroßeltern im Kirchenbuch belegt, jeder Eintrag mit Abschrift, Übersetzung lateinischer Einträge und Fundstelle.