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Ahnenforschung im Burgenland: Kirchenbücher der Diözese Eisenstadt

Ahnenforschung im Burgenland: Warum das Burgenland anders ist als der Rest Österreichs, wo die Kirchenbücher der Diözese Eisenstadt liegen, wie Sie sie online einsehen und was ungarische, lateinische und kroatische Einträge bedeuten.

Kurz gesagt: Das Burgenland gehörte bis 1921 zu Ungarn. Deshalb gibt es dort schon seit Oktober 1895 Standesämter, und die Kirchenbücher sind oft lateinisch, ungarisch oder kroatisch geschrieben. Die katholischen Matriken stellt die Diözese Eisenstadt auf ihr eigenes, kostenpflichtiges Portal matriken.at; die evangelischen stehen kostenlos auf Matricula. Manche heute burgenländische Orte gehörten vor 1922 zu Pfarren, die jetzt in Ungarn liegen.

Bis 1921 ein Teil Ungarns

Das Burgenland kam nach dem Ersten Weltkrieg aus Teilen westungarischer Komitate 1921 zu Österreich. Ödenburg (Sopron) blieb nach einer Volksabstimmung im Dezember 1921 bei Ungarn. In den folgenden Jahren wurde die Grenze an einzelnen Stellen noch verschoben.

Auch kirchlich war das Gebiet bis 1922 ungarisch: Es gehörte zu den Diözesen Raab (Győr) und Steinamanger (Szombathely). Ab 1922 verwaltete eine Apostolische Administratur das Burgenland, 1960 wurde daraus die Diözese Eisenstadt. Ihre Grenzen decken sich heute mit denen des Landes.

Wo liegen die Kirchenbücher?

Die katholischen Matriken – Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher – liegen großteils im Diözesanarchiv Eisenstadt, der Rest in den Pfarren. Das älteste Buch stammt aus der Dom- und Stadtpfarre Eisenstadt und beginnt 1614.

Online stellt die Diözese die Bücher auf ihr eigenes Portal matriken.at. Für die Einsicht sind eine Registrierung und ein kostenpflichtiges Abo nötig. Die Digitalisierung ist noch nicht abgeschlossen; nicht jede Pfarre ist schon zu sehen. Die evangelischen Matriken A.B. und H.B. stehen kostenlos auf Matricula, Bereich „Burgenland: Ev. Kirchen A.B. und H.B.“; unter „Burgenland: Rk. Pfarren“ sind dort auch zwei katholische Bestände zu finden. Wie Matricula funktioniert, zeigt unsere Matricula-Anleitung.

Eine wichtige Ergänzung sind die Duplikate. In Ungarn mussten die Pfarren ab 1827 ihre Bücher doppelt führen. Die Abschriften aus der Zeit vor 1922 liegen in den zuständigen ungarischen Komitatsarchiven, jene ab 1922 im Diözesanarchiv Eisenstadt. Auf FamilySearch gibt es außerdem digitalisierte Duplikate und staatliche Register, die burgenländische Orte betreffen.

Standesamt schon ab 1895

Im übrigen Österreich führten die Pfarrer bis 1938 die amtlichen Bücher. Im Burgenland endete das schon früher: In Ungarn wurden am 1. Oktober 1895 staatliche Standesämter eingeführt. Für Geburten, Trauungen und Todesfälle ab diesem Tag ist deshalb das Standesamt die amtliche Quelle; die Kirchenbücher laufen daneben weiter.

Wie weit die Bücher einer Pfarre online reichen, zeigt matriken.at je Pfarre. Für Bücher, die noch in den Pfarren liegen, braucht es eine schriftliche Bewilligung des Bischöflichen Ordinariats; der Antrag läuft über das Diözesanarchiv Eisenstadt. Bücher im Diözesanarchiv können Sie dort während der Öffnungszeiten benützen.

Lateinisch, ungarisch, kroatisch, deutsch

Die burgenländischen Kirchenbücher sind auf Latein, Ungarisch, Kroatisch und Deutsch geführt – je nach Zeit, Pfarre und Pfarrer. Lateinische Einträge folgen festen Formeln (siehe Latein im Kirchenbuch), deutsche sind oft in Kurrent geschrieben (Kurrentschrift lesen). Für ungarische Einträge braucht man ein kleines Wörterverzeichnis: Monatsnamen, Berufe, Verwandtschaft.

Auch die Ortsnamen gibt es mehrsprachig. Viele Orte haben einen deutschen und einen ungarischen, manche auch einen kroatischen Namen. Ein gedrucktes Verzeichnis der burgenländischen Ortsnamen in deutscher, ungarischer, kroatischer und Roman-Sprache ist 2001 als Beilage der Burgenländischen Heimatblätter erschienen.

Pfarren jenseits der heutigen Grenze

Als 1922 die Apostolische Administratur errichtet wurde, zerschnitt die neue Grenze auch Pfarren. Verschiedene heute österreichische Orte gehörten vor 1922 zu Pfarren, die jetzt in Ungarn liegen; ihre älteren Einträge stehen deshalb in ungarischen Büchern. Welche Vorgängerpfarre zuständig war, beantwortet das Diözesanarchiv Eisenstadt.

In Ungarn liegen die Original-Matriken in den Pfarrämtern; Duplikate und Filme gibt es in den Komitatsarchiven. Einige burgenländische Orte werden außerdem bis heute von Pfarren in Niederösterreich oder der Steiermark betreut – auch dort lohnt sich die Suche (siehe Niederösterreich und Steiermark).

Typische Hürden im Burgenland

  • Noch nicht alles online: Auf matriken.at fehlen manche Pfarren; dann helfen Duplikate auf FamilySearch oder eine Anfrage beim Diözesanarchiv.
  • Mehrsprachige Einträge: In derselben Pfarre können Bücher lateinisch, ungarisch und deutsch geführt sein.
  • Die richtige Pfarre: Grenzänderungen und Pfarren in Ungarn machen die Zuordnung schwieriger als anderswo in Österreich.
  • Jüdische Vorfahren: Die erhaltenen Matriken der jüdischen Gemeinden liegen großteils im Burgenländischen Landesarchiv in Eisenstadt.

Ein Beispiel: Die Familie Steiner stammt aus einem Dorf an der Grenze. Ab 1895 stehen die Daten im Standesamt, davor im Kirchenbuch – bis 1922 vielleicht in einer Pfarre, die heute in Ungarn liegt, auf Ungarisch geschrieben.

Die wichtigsten Quellen im Überblick

Quelle was Zeitraum online?
matriken.at (Diözese Eisenstadt) katholische Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher ab 1614; Digitalisierung läuft ja, mit Registrierung, kostenpflichtig
Matricula, Burgenland Ev. Kirchen A.B. und H.B. evangelische Matriken (dazu zwei katholische Bestände) je Gemeinde verschieden ja, kostenlos
Ungarische Komitatsarchive Duplikate der Kirchenbücher bis 1921 ab 1827 teilweise über FamilySearch
Diözesanarchiv Eisenstadt Originale, Duplikate ab 1922, Auskunft über Vorgängerpfarren ab 1614 nein
Standesämter staatliche Personenstandsbücher ab 1. Oktober 1895 nein
Burgenländisches Landesarchiv Matriken der jüdischen Gemeinden je Gemeinde verschieden nein

Häufige Fragen

Wo finde ich burgenländische Kirchenbücher online?

Die katholischen auf matriken.at, dem Portal der Diözese Eisenstadt (Registrierung und Abo nötig), die evangelischen kostenlos auf Matricula. Ergänzend gibt es Duplikate auf FamilySearch.

Warum sind die Einträge auf Ungarisch?

Weil das Burgenland bis 1921 zu Ungarn gehörte. Die Bücher sind je nach Zeit und Pfarre lateinisch, ungarisch, kroatisch oder deutsch geführt.

Ab wann gibt es im Burgenland Standesämter?

Seit 1. Oktober 1895, als in Ungarn die staatlichen Standesämter eingeführt wurden – über 40 Jahre früher als im übrigen Österreich.

Mein Heimatort gehörte früher zu einer Pfarre in Ungarn – wo suche ich?

Die Originale liegen im ungarischen Pfarramt, Duplikate im Komitatsarchiv. Welche Pfarre zuständig war, sagt Ihnen das Diözesanarchiv Eisenstadt.

Wie alt sind die ältesten Kirchenbücher im Burgenland?

Das älteste Matrikenbuch der Diözese Eisenstadt stammt aus der Dom- und Stadtpfarre Eisenstadt und beginnt 1614.

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