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Evangelische und jüdische Vorfahren in Österreich finden

Nicht alle Vorfahren waren katholisch. Diese Seite zeigt, wo Sie evangelische und jüdische Vorfahren in Österreich finden, warum sie oft auch in katholischen Büchern stehen und welche Stellen die Matriken heute verwahren – dazu, wo Menschen ohne Bekenntnis eingetragen wurden.

Kurz gesagt: Evangelische Gemeinden gibt es in Österreich seit dem Toleranzpatent von 1781; bis 1849 wurden ihre Taufen, Trauungen und Begräbnisse zusätzlich in die katholischen Bücher eingetragen. Viele evangelische Bücher stehen heute auf Matricula, andere liegen bei den Pfarrgemeinden. Jüdische Matriken schrieb der Staat 1784 vor; sie liegen heute bei den Israelitischen Kultusgemeinden, für Wien zum Teil auch als Bilder im Netz. Für Menschen ohne anerkanntes Bekenntnis führten ab 1870 die Bezirksbehörden die Register.

Evangelische Vorfahren: vom Toleranzpatent bis 1849

Das Toleranzpatent Josephs II. vom 13. Oktober 1781 erlaubte den Protestanten Augsburgischen (A. B., lutherisch) und Helvetischen Bekenntnisses (H. B., reformiert) die freie Religionsausübung. Für die Kirchenbücher bedeutet das drei Abschnitte:

Zeit Wo die Einträge stehen
vor 1781 in der Regel nur in katholischen Büchern, weil es keine erlaubten evangelischen Gemeinden gab
1782–1849 Die Pastoren durften seit 1782 eigene Bücher führen, zunächst nur als Privatnotizen. Jeder Fall war dem katholischen Pfarrer zu melden, der ihn in seine Bücher eintrug. Ab 1829 hatten die evangelischen Bücher volle Beweiskraft, der katholische Pfarrer bekam aber weiter eine Abschrift.
ab 30. Jänner 1849 volle Gleichstellung; Evangelische stehen nur noch in evangelischen Büchern – außer dort, wo die evangelische Gemeinde zu weit entfernt war; dann bis 1938 weiter auch in katholischen Büchern

Für die Zeit vor 1781 und die Geheimprotestanten siehe Ahnenforschung Oberösterreich; zur Ausweisung der Salzburger Protestanten Ahnenforschung Salzburg.

Wo die evangelischen Bücher heute liegen

Matricula zeigt evangelische Bestände für Wien (A. B. und H. B.), Niederösterreich, Oberösterreich, die Steiermark, Kärnten und das Burgenland, dazu einen Bestand „Altösterreich (evangelisch)“. Für Salzburg, Tirol und Vorarlberg gibt es dort keinen evangelischen Bestand; die evangelische Pfarrgemeinde Innsbruck steht auf Matriken Tirol Online. Was nicht online ist, liegt bei den evangelischen Pfarrgemeinden selbst, die darüber eigenständig entscheiden.

Seit 1829 waren die evangelischen Bücher in zwei gleichen Ausfertigungen zu führen; die Zweitschriften gingen an das Konsistorium, ab 1861 an den Evangelischen Oberkirchenrat. Wie Sie mit Matricula arbeiten, zeigt die Matricula-Anleitung.

Ein Beispiel mit einer erfundenen Familie: Die evangelische Taufe von Georg Steiner 1835 steht im Taufbuch der evangelischen Gemeinde – und als Eintrag auch im Taufbuch der katholischen Pfarre des Wohnorts. Fehlt das evangelische Buch, hilft der katholische Eintrag weiter.

Jüdische Vorfahren

Das Patent vom 20. Februar 1784 schrieb auch für Juden Matriken vor, die der Rabbiner führte. Feste Familiennamen setzten sich in der jüdischen Bevölkerung erst spät durch; in Österreich wurden dazu 1787 und 1789 Namensgesetze erlassen. Für die Forschung heißt das: Vor dieser Zeit lässt sich eine Familie oft nicht über einen gleichbleibenden Familiennamen verfolgen. Das Staatsgrundgesetz von 1867 hob die letzten rechtlichen Beschränkungen für Juden im Matrikenwesen auf; seit einem Gesetz von 1868 hatten die jüdischen Matriken öffentliche Beweiskraft.

Zuständig für Auskünfte aus den jüdischen Matriken sind heute die Israelitischen Kultusgemeinden Wien, Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck. Für Vorarlberg und Tirol siehe Ahnenforschung Vorarlberg (Hohenems), für das Burgenland, dessen erhaltene jüdische Matriken großteils im Landesarchiv in Eisenstadt liegen, Ahnenforschung Burgenland – Bücher der Gemeinde Eisenstadt nennt auch die Kultusgemeinde Wien unter ihren Beständen.

Die Matriken der Kultusgemeinde Wien

Die Israelitische Kultusgemeinde Wien beschreibt ihre Bestände so: Geburts-, Trauungs- und Sterbebücher von 1784/1785 bis 1938, dazu Bücher einiger Gemeinden im Umland wie Baden, Eisenstadt und St. Pölten. Für die Benutzung gilt nach ihren eigenen Angaben:

  • Das Archiv führt derzeit keine genealogischen Recherchen durch und erstellt keine Stammbäume; Anfragen zur Familie werden im Rahmen der Möglichkeiten beantwortet.
  • Anfragen gehen schriftlich mit dem ausgefüllten Benutzerbogen per E-Mail ein; Anfragen mit unvollständigen Angaben werden nicht bearbeitet, telefonische Auskünfte gibt es nicht.
  • Gebühren fallen nach der Gebührenordnung an, auch wenn die Suche erfolglos bleibt.

Für die ersten Schritte gibt es Wege im Netz: Ein Namensverzeichnis der Wiener jüdischen Matriken bietet GenTeam, dort auch ein Verzeichnis der Austritte aus der Kultusgemeinde. Die Bilder der Wiener Matriken bis etwa 1911 sind über FamilySearch einsehbar; für spätere Jahre gibt es Filme im Wiener Stadt- und Landesarchiv. Mehr unter Ahnenforschung Wien.

Für Angehörige, die in der NS-Zeit verfolgt wurden, bietet das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) eine Personensuche, unter anderem in einer Datenbank der Shoah-Opfer. Auch das Archiv der Kultusgemeinde Wien nennt unter seinen Beständen Unterlagen aus dieser Zeit.

Ohne Bekenntnis und Mischehen

Seit einem Gesetz vom 25. Mai 1868 konnten Ehen in bestimmten Fällen vor einer weltlichen Behörde geschlossen werden (Notzivilehe), ab 1869 auch zwischen Angehörigen verschiedener christlicher Bekenntnisse. Seit dem Matrikengesetz von 1870 führten die Bezirkshauptmannschaften bzw. Magistrate die Geburts-, Ehe- und Sterberegister für Menschen, die keiner gesetzlich anerkannten Kirche oder Religionsgesellschaft angehörten. In Wien sind diese Zivilmatriken bei der Magistratsabteilung 35. Seit 1939 führen ohnehin die Standesämter alle Bücher, siehe Urkunden der Vorfahren bestellen.

Tipps für die Suche

  • Religion im Taufeintrag lesen. Seit 1784 steht die Religion der Eltern im Taufbuch. Sie zeigt, in welchen Büchern Sie weitersuchen.
  • Beide Seiten prüfen. Für 1782–1849 stehen Evangelische meist zweimal; ein fehlendes Buch lässt sich so überbrücken.
  • Übertritte bedenken. Wer das Bekenntnis wechselte, steht vorher und nachher in verschiedenen Büchern.
  • Namen flexibel suchen. Jüdische Familiennamen sind vor den Namensgesetzen nicht fest; Vornamen erscheinen in den Büchern in verschiedenen Formen.

Wie die Einträge aufgebaut sind, zeigt Taufbuch, Trauungsbuch, Sterbebuch.

Häufige Fragen

Wo finde ich evangelische Kirchenbücher in Österreich?

Viele auf Matricula: für Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Kärnten und Burgenland. Die evangelische Gemeinde Innsbruck steht auf Matriken Tirol Online. Die übrigen Bücher liegen bei den evangelischen Pfarrgemeinden.

Warum steht mein evangelischer Vorfahr im katholischen Taufbuch?

Bis 1849 mussten evangelische Taufen, Trauungen und Begräbnisse dem katholischen Pfarrer gemeldet werden, der sie in seine Bücher eintrug. Wo die evangelische Gemeinde weit entfernt war, geschah das noch bis 1938.

Wo liegen jüdische Matriken aus Wien?

Bei der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (Bestände 1784/1785 bis 1938). Ein Namensverzeichnis bietet GenTeam, Bilder bis etwa 1911 sind über FamilySearch einsehbar.

Macht die Kultusgemeinde Wien Ahnenforschung für mich?

Nein. Nach eigenen Angaben führt ihr Archiv derzeit keine genealogischen Recherchen durch und erstellt keine Stammbäume. Familienbezogene Anfragen werden im Rahmen der Möglichkeiten beantwortet, gegen Gebühr.

Seit wann haben Juden in Österreich feste Familiennamen?

Verpflichtend seit den Namensgesetzen von 1787 und 1789. Davor wechselten Namen oft; eine Linie lässt sich dann nur über Vornamen, Eltern und Orte verfolgen.

Wo stehen Menschen ohne Religionsbekenntnis?

Ab 1870 in den Registern der Bezirkshauptmannschaften bzw. Magistrate, in Wien bei der Magistratsabteilung 35. Seit 1939 bei den Standesämtern.

Wenn die Linie das Bekenntnis wechselt

Wir forschen in den Kirchenbüchern, die öffentlich zugänglich sind. Stößt Ihre Linie auf Bücher, die nicht online sind, sagen wir das im Forschungsbericht offen, und für jede der Generationen 4 bis 8, die sich nicht belegen lässt, erhalten Sie 20 € zurück.

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