Alte Todesursachen im Sterbebuch: Fraisen, Auszehrung, Schlagfluss erklärt
Fraisen, Auszehrung, Schlagfluss, Nervenfieber: Alte Todesursachen im Sterbebuch sind für heutige Leser oft rätselhaft. Diese Seite erklärt die häufigsten Bezeichnungen auf Deutsch und Latein, zeigt, seit wann die Todesursache eingetragen wurde, und warum man sie vorsichtig deuten sollte.
Wo die Todesursache steht
Ältere Sterbebücher halten fest, wer gestorben ist und begraben wurde; eine Todesursache nennen sie nur ausnahmsweise. Das Patent vom 20. Februar 1784 schrieb für das Sterbebuch feste Spalten vor: Tag des Todes, Hausnummer, Name, Religion, Geschlecht, Alter – und als siebente Spalte „Krankheit oder Todesart“. Diese Spalte war dort auszufüllen, wo mindestens ein geprüfter Wundarzt vorhanden war. Wie die Bücher sonst aufgebaut sind, zeigt Taufbuch, Trauungsbuch, Sterbebuch.
Weitere Quellen mit Todesursachen:
- Wien: Die Totenbeschauprotokolle 1648–1920 des Wiener Stadt- und Landesarchivs sind über FamilySearch online, siehe Ahnenforschung Wien.
- Soldaten: Für Gefallene und in Militärspitälern Verstorbene des Ersten Weltkriegs siehe Vorfahren im Ersten Weltkrieg.
Häufige deutsche Begriffe
| Im Sterbebuch | Heutige Bedeutung |
|---|---|
| Fraisen | Krämpfe bei kleinen Kindern (süddeutsch, österreichisch) |
| Auszehrung | starker Kräfteverfall; veraltet auch Lungentuberkulose |
| Schwindsucht | Lungentuberkulose |
| Schlagfluss | Schlaganfall |
| Wassersucht | Ansammlung von Flüssigkeit im Gewebe oder in Körperhöhlen, etwa bei Herzschwäche |
| Blattern | Pocken |
| Nervenfieber | Typhus |
| Fleckfieber, Flecktyphus | durch Läuse übertragene Infektionskrankheit mit fleckigem Ausschlag |
| Ruhr | fiebrige Darmentzündung mit schwerem, blutigem Durchfall |
| Stickhusten | Keuchhusten |
| Kindbettfieber | Wochenbettfieber, Infektion nach einer Geburt |
| Altersschwäche, Entkräftung | keine bestimmte Krankheit; Tod im Alter oder nach langem Verfall |
Manchmal steht statt einer Krankheit nur ein Umstand, etwa „ertrunken“ oder „im Wochenbett“. Auch das ist eine wertvolle Angabe.
Lateinische Begriffe
In lateinisch geführten Büchern stehen die Ursachen meist so:
| Latein | Deutsch |
|---|---|
| febris | Fieber |
| phthisis | Schwindsucht, Tuberkulose |
| hydropsis | Wassersucht |
| variola | Pocken, Blattern |
| apoplexia | Schlaganfall |
| dysenteria | Ruhr |
| convulsiones, ecclampsia, spasmus | Krämpfe |
| scarlatina | Scharlach |
| pestis | Pest |
| marasmus, debilitas | Entkräftung, Schwäche |
| senium | Alter |
Weitere Wörter aus dem Sterbebuch – obiit, sepultus, annorum – finden Sie unter Latein im Kirchenbuch; die Handschrift entziffern hilft Kurrentschrift lesen.
Wie verlässlich ist die Angabe?
Die Spalte „Krankheit oder Todesart“ war nur dort Pflicht, wo ein geprüfter Wundarzt im Ort war. Anderswo konnte sie leer bleiben oder wiedergeben, was die Angehörigen dem Pfarrer sagten. Schon ein Hofdekret von 1787 hielt fest, dass die Kirchenbücher vollen Glauben nur für das verdienen, wofür sie geführt werden – nicht für Nebenumstände, die auf bloßem Angeben beruhen. Sicher belegt sind also Tod und Begräbnis; die Ursache ist eine Auskunft aus zweiter Hand.
Ähnliches gilt für das Alter im Sterbebuch: Es kann um einige Jahre vom Taufeintrag abweichen. Suchen Sie die Taufe deshalb in einem Zeitraum rund um das errechnete Geburtsjahr.
Wie Sie alte Todesursachen richtig deuten
- Wortlaut übernehmen. Schreiben Sie „Auszehrung“ und nicht „Tuberkulose“. Die heutige Deutung setzen Sie in Klammern dazu, mit „wahrscheinlich“.
- Beschreibung, nicht Diagnose. Die Angaben beruhen auf dem, was man sah: Krämpfe, Fieber, Husten, Schwellungen. Röntgen und Laboruntersuchungen gab es nicht. Hinter „Schwindsucht“ kann auch eine andere Krankheit gesteckt haben, die ähnlich aussah.
- Die Nachbarn mitlesen. Häufen sich auf einer Seite gleiche Angaben in kurzer Zeit, etwa „Blattern“ oder „Ruhr“, deutet das auf eine Seuche im Ort hin. Das erklärt manchmal, warum in einer Familie mehrere Kinder kurz hintereinander starben.
- Das Alter beachten. Lesen Sie die Ursache immer zusammen mit dem Alter im selben Eintrag. „Fraisen“ etwa bezeichnet Krämpfe bei kleinen Kindern.
- Mundart bedenken. Viele Bezeichnungen sind regional. Im Zweifel hilft ein Lexikon historischer Krankheitsbezeichnungen oder ein Mundartwörterbuch.
Ein Beispiel mit einer erfundenen Familie: Im Sterbebuch stehen 1817 drei Kinder von Georg und Anna Steiner innerhalb von zwei Wochen, jeweils mit „Blattern“; auf derselben Seite noch viele weitere Kinder mit derselben Angabe. In der Familiengeschichte lässt sich das so festhalten: drei Kinder an „Blattern“ (Pocken) gestorben, wahrscheinlich während einer Pockenseuche im Ort.
Lassen sich daraus Erbkrankheiten ablesen?
Kaum. Die alten Bezeichnungen sind zu ungenau, und viele Todesursachen waren Infektionen, die mit Vererbung nichts zu tun haben. Für eine ärztliche Frage nach familiären Krankheiten sind die Angaben aus dem Sterbebuch keine verlässliche Grundlage. Als Teil der Familiengeschichte sind sie trotzdem wertvoll: Sie zeigen, wie hart das Leben war.
Denken Sie bei der Veröffentlichung an Lebende: Die Daten Verstorbener schützt die Datenschutz-Grundverordnung nicht, aber Angaben zu Krankheiten in jüngeren Generationen betreffen oft noch lebende Angehörige.
Häufige Fragen
Was bedeutet Fraisen im Sterbebuch?
Krämpfe bei kleinen Kindern. Das Wort ist süddeutsch und österreichisch.
Was ist Auszehrung als Todesursache?
Ein starker Kräfteverfall; veraltet meint das Wort auch die Lungentuberkulose. Was im Einzelfall dahinterstand, lässt sich nicht sicher sagen.
Was bedeutet Schlagfluss?
Schlaganfall. Lateinisch steht dafür apoplexia.
Was ist Nervenfieber?
Eine veraltete Bezeichnung für Typhus.
Was bedeutet Wassersucht?
Eine Ansammlung von Flüssigkeit im Gewebe oder in Körperhöhlen, die verschiedene Ursachen haben kann, etwa eine Herzschwäche.
Was sind Blattern?
Die Pocken. Lateinisch heißen sie variola.
Warum steht bei meinem Vorfahren keine Todesursache?
Vor 1784 war sie nicht vorgeschrieben, und danach nur dort, wo ein geprüfter Wundarzt im Ort war. Fehlt sie, bleibt nur das Alter und manchmal ein Hinweis wie „Unglück“.
Jeder Sterbeeintrag im Wortlaut
In unserem Belegdossier steht jeder Eintrag aus dem Kirchenbuch als Abschrift – mit Todesursache, soweit verzeichnet, und Übersetzung lateinischer Einträge. So bleibt sichtbar, was im Original steht und was gedeutet ist.