Vorfahren im Ersten Weltkrieg finden: Verlustlisten, Grundbuchblatt, Kriegsarchiv
Ihr Urgroßvater war im Ersten Weltkrieg Soldat, vielleicht ist er gefallen oder in Gefangenschaft geraten? Diese Seite zeigt, wo Sie Vorfahren aus der k. u. k. Armee finden: in den Verlustlisten, im Grundbuchblatt, in der Totenkartei und in den Ehrenbüchern – und was das Kriegsarchiv für Sie tut und was nicht.
Was Sie für die Suche brauchen
Für die Suche nach einem Unteroffizier oder einfachen Soldaten nennt das Kriegsarchiv vier Angaben: Familienname, Vorname, Geburtsdatum und Geburtsort oder Heimatzuständigkeit. Die Heimatzuständigkeit ist die Gemeinde, in der jemand das Heimatrecht hatte; sie muss nicht der Geburtsort sein. Was es damit auf sich hat und wo ein Heimatschein zu finden ist, erklärt die Seite Elternhaus ausräumen.
Geburtsdatum und -ort finden Sie im Taufbuch. Liegt die Geburt mehr als 100 Jahre zurück, ist sie meist online einsehbar; wie Sie den Eintrag finden, zeigt Ahnenforschung anfangen. Auch ein Sterbebild, eine Parte oder Feldpost kann Truppenkörper und Daten nennen.
Die Verlustlisten: der erste Blick
Während des Krieges wurden Verlustlisten gedruckt. Verlust heißt dort nicht nur Tod: Die Listen nennen auch Verwundete, Kriegsgefangene und Vermisste. Angegeben sind Familienname, Vorname, Dienstgrad, Geburtsjahr, Heimatzuständigkeit und Truppenkörper, bei Gefangenen das Lager, soweit bekannt.
- Bilder der Listen: digitalisiert von der Oberösterreichischen Landesbibliothek.
- Namenssuche: Ehrenamtliche Forscher, unter anderem vom Verein für Computergenealogie und von Familia Austria, haben die Listen vollständig erfasst – 2,69 Millionen Einträge, abgeschlossen im Jänner 2022. Gesucht wird über die Datenbank der Verlustlisten Österreich-Ungarn nach Name und Ort.
Viele Meldungen erschienen erst lange nach dem Ereignis; selbst Listen von 1918 enthalten noch Todesfälle aus 1914. Suchen Sie daher nicht nur im Todesjahr, und probieren Sie verschiedene Schreibweisen – die Listen umfassen Soldaten aus der ganzen Monarchie.
Das Grundbuchblatt
Nach Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1868 führten die Ergänzungsbezirkskommanden für jeden Wehrpflichtigen ein Grundbuchblatt. Es verzeichnet unter anderem Geburtsjahr und Geburtsort, eine Personenbeschreibung und den Dienstweg. Für Offiziere gibt es stattdessen Qualifikationslisten; im Krieg wurden sie oft durch knappere Vormerkblätter ersetzt.
Weil die Blätter in den Ländern geführt wurden, liegen sie heute verstreut: Das Kriegsarchiv in Wien hat nur die Blätter für Wehrpflichtige aus dem heutigen Österreich, und auch das mit Ausnahmen.
Wo das Grundbuchblatt liegt
Für Wehrpflichtige der Geburtsjahrgänge bis 1864 ist das Kriegsarchiv zuständig. Für die Jahrgänge ab 1865 kommt es auf die Heimat an:
| Heimat des Soldaten | Jahrgänge ab 1865 |
|---|---|
| Wien, Niederösterreich, Kärnten, Steiermark | Kriegsarchiv; die Seite des Archivs verlinkt die digitalen Bestände |
| Oberösterreich | Kriegsarchiv; laut Archiv derzeit nicht verfügbar |
| Burgenland | Kriegsarchiv, nicht digitalisiert; Blätter können auch in den Reihen für Niederösterreich und Steiermark liegen |
| Salzburg | Salzburger Landesarchiv (Jahrgänge 1865–1900) |
| Tirol | Tiroler Landesarchiv (Jahrgänge etwa 1850/1865–1900) |
| Vorarlberg | Vorarlberger Landesarchiv in Bregenz |
| Böhmen, Mähren, Schlesien | Militärhistorisches Archiv Prag (1865–1886); 1887–1898 weitgehend zerstört |
| Südtirol | Staatsarchiv Bozen (Geburten nach 1876) |
| Ungarn | 1945 vernichtet |
Für die Untersteiermark verweist das Kriegsarchiv auf die steirischen Bestände, weil Teile des heutigen Slowenien bis 1918/19 zur Steiermark gehörten. Zu Böhmen und Mähren siehe auch Ahnenforschung Tschechien.
Gefallene und Verstorbene
Eine vollständige Liste oder Datenbank aller Gefallenen der Monarchie gibt es nicht. Das Kriegsarchiv rät, mehrere Quellen zu verbinden:
| Quelle | Was drinsteht | Zugang |
|---|---|---|
| Verlustlisten | siehe oben | online |
| Totenkartei des Ersten Weltkriegs | Name, Dienstgrad, Truppenkörper, Geburtsjahr, Heimatzuständigkeit, Sterbeort und -tag, Begräbnisort; unvollständig | über FamilySearch |
| Kriegsmatriken (Militärsterbebücher) | Sterbefälle in Militärspitälern und bei Regimentern | online für Wien, Niederösterreich und den Raum Pressburg samt heutigem Burgenland; sonst Lesesaal; kein Gesamtregister |
| Ehrenbücher (Heldenbücher) | Kriegstote nach Land, Bezirk und Gemeinde, oft unvollständig | Kriegsarchiv; für Tirol digital als Tiroler Ehrenbuch |
| Kriegsgräberakten | Soldatenfriedhöfe an den Fronten, nach Friedhof geordnet | Kriegsarchiv; ursprünglicher Begräbnisort nötig |
Wurde ein Friedhof später umgebettet oder zusammengelegt, ist der neue Ort im Kriegsarchiv nicht verzeichnet; dafür verweist das Archiv an das Österreichische Schwarze Kreuz. Wie Sie Einträge aus den Militärmatriken (Heeresmatriken) als Urkunde bekommen, steht unter Urkunden der Vorfahren bestellen.
Kriegsgefangene
Zu österreichisch-ungarischen Soldaten in feindlicher Gefangenschaft gibt es Karteien, die nur das Datum der Gefangennahme und das Lager nennen. Die Mitarbeiter des Kriegsarchivs suchen darin nicht für Sie. Gefangene stehen auch in den Verlustlisten; Listen der bei Przemyśl von den Russen gefangen genommenen Soldaten hat die Oberösterreichische Landesbibliothek digitalisiert.
Wo hat er gedient und gekämpft?
Das genau herauszufinden ist oft schwierig. Wer das Grundbuchblatt oder die Qualifikationsliste hat, wird laut Kriegsarchiv kaum mehr über die einzelnen Einsätze finden. Von den Archiven der Regimenter sind nur Bruchstücke erhalten, und sie helfen der Familienforschung wenig. Weiter kommen Sie mit den Regimentsgeschichten, die nach dem Krieg erschienen sind und die Kämpfe des Regiments beschreiben; viele sind digitalisiert. Das amtliche Werk „Österreich-Ungarns letzter Krieg“ beschreibt die Operationen ab der Ebene der Brigade und ist online.
Was das Kriegsarchiv für Sie tut – und was nicht
- Es gibt Hinweise, wo Sie suchen sollten, und beschreibt seine Bestände im Archivinformationssystem.
- Es forscht nicht an Ihrer Stelle und stellt keine Unterlagen zu einer Person zusammen.
- Sie sehen die Unterlagen selbst ein: im Lesesaal in 1030 Wien oder online, soweit digitalisiert.
- Wer das nicht selbst kann, wird an Historiker oder Genealogen verwiesen, die gegen Honorar arbeiten; mehr dazu unter Stammbaum erstellen lassen.
Ein Beispiel mit einer erfundenen Familie: Von Franz Steiner ist nur ein Sterbebild mit „gefallen 1916 in Galizien“ erhalten. In der Datenbank der Verlustlisten findet er sich mit Geburtsjahr, Heimatgemeinde und Regiment. Damit lässt sich das Grundbuchblatt gezielt suchen und die Regimentsgeschichte für 1916 aufschlagen.
Häufige Fragen
Wie finde ich heraus, ob mein Urgroßvater im Ersten Weltkrieg war?
Suchen Sie ihn zuerst in der Datenbank der Verlustlisten. Fehlt er dort, heißt das nicht, dass er nicht eingerückt war – die Listen nennen nur Tote, Verwundete, Vermisste und Gefangene. Dann hilft das Grundbuchblatt.
Was ist ein Grundbuchblatt?
Das Personalblatt eines Wehrpflichtigen der k. u. k. Armee seit 1868 mit Geburtsjahr und Geburtsort, Personenbeschreibung und Dienstweg. Je nach Heimat und Geburtsjahr liegt es im Kriegsarchiv, in einem Landesarchiv oder in einem Nachbarstaat.
Gibt es eine Liste aller gefallenen österreichischen Soldaten?
Nein. Sie müssen Verlustlisten, Totenkartei, Kriegsmatriken und Ehrenbücher verbinden; keine dieser Quellen ist vollständig.
Wo kann ich die Verlustlisten online durchsuchen?
Nach Namen in der Datenbank der Verlustlisten Österreich-Ungarn des Vereins für Computergenealogie; dort lässt sich auch nach Truppenkörper, Heimatort und Geburtsjahr suchen. Die gedruckten Listen selbst hat die Oberösterreichische Landesbibliothek digitalisiert.
Forscht das Kriegsarchiv für mich?
Nein. Es gibt Hinweise, wo Sie suchen können; einsehen müssen Sie die Unterlagen selbst, im Lesesaal oder online.
Wo finde ich das Grab eines gefallenen Soldaten?
Die Totenkartei nennt oft den Begräbnisort. Mit dem ursprünglichen Begräbnisort helfen die Kriegsgräberakten des Kriegsarchivs; für spätere Umbettungen ist das Österreichische Schwarze Kreuz die Anlaufstelle.
Die Generationen vor dem Krieg
Militärakten zeigen ein paar Jahre im Leben eines Vorfahren. Woher seine Familie kam, steht im Kirchenbuch: Wir erforschen eine Ahnenlinie über bis zu 8 Generationen ab Ihnen, ab den Urgroßeltern mit Taufe, Trauung und Tod belegt, soweit verzeichnet.