Ahnenkette Bestellen

Ahnenforschung in der Steiermark: Kirchenbücher der Diözese Graz-Seckau

Ahnenforschung in der Steiermark: Wo die steirischen Kirchenbücher liegen, wie Sie sie kostenlos online einsehen, ab wann sie beginnen und was bei Vorfahren aus der Untersteiermark zu beachten ist.

Kurz gesagt: Die Diözese Graz-Seckau hat alle katholischen Matriken der Steiermark vom Beginn bis 1938 digitalisiert; sie sind kostenlos auf dem Portal Matricula zu sehen. Die ältesten Bücher beginnen Ende des 16. Jahrhunderts. Taufen sind 100 Jahre gesperrt, Trauungen 75 und Sterbefälle 30 Jahre; ab 1939 ist das Standesamt zuständig. Vorfahren aus der Untersteiermark, dem heutigen Slowenien, stehen in den Büchern der Erzdiözese Maribor.

Wo liegen die steirischen Kirchenbücher?

Die wichtigste Quelle für die Familienforschung sind die Matriken: die Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher der Pfarren. Für die Steiermark ist die katholische Diözese Graz-Seckau zuständig, deren Gebiet sich weitgehend mit dem Bundesland deckt.

Zwischen 2010 und 2013 hat das Diözesanarchiv Graz-Seckau in einem EU-Projekt sämtliche steirischen Altmatriken vom Beginn bis einschließlich 1938 digitalisiert. Seit 2014 sind sie im Internet, heute auf Matricula, Bereich „Steiermark: Rk. Diözese Graz-Seckau“. Die Einsicht ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich. Wie Sie dort blättern, erklärt unsere Matricula-Anleitung.

Die älteren Originale liegen großteils im Diözesanarchiv in Graz, einzelne Bestände in den Stiftsarchiven Admont und St. Lambrecht. Vorgelegt werden die Originalbücher nicht mehr, weil alles digital vorliegt. Zusätzlich verwahrt das Diözesanarchiv die Zweitschriften aller steirischen Pfarren von 1835 bis 1959: jährliche Abschriften, die die Pfarren an das Bischöfliche Ordinariat schicken mussten. Sie werden nur in Ausnahmefällen gezeigt, etwa wenn ein Originalbuch fehlt.

Ab wann gibt es Kirchenbücher in der Steiermark?

Die Pflicht, Tauf- und Trauungsbücher zu führen, geht auf das Konzil von Trient (1563) zurück. In der Steiermark setzte sich das zuerst in der Obersteiermark und in den Pfarren der alten Stifte durch, später in der Ost- und Südsteiermark. Die frühesten Bücher begannen 1586 in Haus im Ennstal, 1589 in Graz-Hl. Blut, 1593 in Pöllau, 1596 in Vorau und 1598 in Judenburg. In vielen anderen Pfarren setzen die Bücher deutlich später ein.

Bis 1784 sind die Einträge meist lateinisch und ohne Vordruck geschrieben (Hilfe dazu: Latein im Kirchenbuch). Mit dem Patent Josephs II. vom 20. Februar 1784 wurde die Matrikenführung Sache des Staates; die Pfarrer führten die Bücher nun in vorgedruckten Tabellen und grundsätzlich auf Deutsch, bis 1938. Geschrieben ist das meist in Kurrent – siehe Kurrentschrift lesen.

Jüngere Bücher, Sperrfristen und Standesamt

Mit der Zivilehe ab 1. August 1938 und den Standesämtern ab 1. Jänner 1939 wurden staatliche und kirchliche Matrikenführung getrennt. Für Geburten, Trauungen und Todesfälle ab dieser Zeit ist das Standesamt zuständig, nicht die Pfarre.

Für die älteren Bücher gelten die Sperrfristen des Personenstandsgesetzes: Taufen 100 Jahre, Trauungen 75 Jahre, Sterbefälle 30 Jahre. Online stehen deshalb Taufbücher bis etwa 100 Jahre vor heute sowie Trauungs- und Sterbebücher bis 1938. Wer einen jüngeren Taufeintrag braucht, wendet sich an das Diözesanarchiv; Einsicht gibt es dann nur für Verwandte in gerader Linie (etwa Kinder, Enkel) oder bei rechtlichem Interesse, mit Ausweis und Geburtsurkunden als Nachweis.

Die richtige Pfarre finden

Gesucht wird immer in der Pfarre, zu der ein Ort damals gehörte – nicht in der heutigen Gemeinde. Dafür gibt es den Matrikenkatalog der Diözese Graz-Seckau (PDF, Stand 2022). Er nennt für jede Pfarre die vorhandenen Bücher mit Jahren, bekannte Lücken, vorhandene Namensregister (Indizes) sowie Vorgänger- und Nachfolgepfarren. Manche Pfarren entstanden erst später; ältere Einträge stehen dann in der Mutterpfarre.

Ein Beispiel: Die Familie Steiner stammt aus einem kleinen Ort im Ennstal. Erst der Katalog zeigt, welche Pfarre um 1800 zuständig war und ob deren Bücher für diese Jahre erhalten sind.

Vorfahren aus der Untersteiermark

Bis 1918 gehörte auch die Untersteiermark zum Herzogtum Steiermark – das Gebiet zwischen unterer Mur und oberer Save mit Städten wie Marburg (Maribor), Cilli (Celje), Pettau (Ptuj) und Windischgraz (Slovenj Gradec). 1919 kam es an den neuen südslawischen Staat, heute liegt es in Slowenien. Kirchlich wurde die Grenze großteils schon 1859 vorweggenommen: Die untersteirischen Pfarren kamen damals zur Diözese Lavant mit Sitz in Marburg.

Die Matriken dieser Pfarren liegen deshalb im Erzdiözesanarchiv Maribor und sind auf Matricula unter Slowenien zu finden. Mehr dazu auf unserer Seite Ahnenforschung in Slowenien. Von einigen Grenzpfarren, die 1923 nach Maribor kamen, liegen die Zweitschriften 1835–1919 noch in Graz.

Typische Hürden in der Steiermark

  • Uneheliche Geburten: Die Steiermark gehörte mit Kärnten zu den Ländern mit den meisten unehelichen Geburten; besonders hoch waren die Anteile in den obersteirischen Bezirken. Fehlt im Taufeintrag der Vater, lässt sich die Linie oft nur über die Mutter weiterverfolgen.
  • Lücken in einzelnen Pfarren: Nicht jede Pfarre hat alle Jahrgänge. In Admont etwa fehlen die Taufen von 1644 bis 1699. Der Matrikenkatalog nennt solche Lücken.
  • Evangelische Vorfahren: Erst das Toleranzpatent von 1781 erlaubte evangelische Gemeinden. Bis 1849 wurden Taufen, Trauungen und Begräbnisse von Protestanten zusätzlich in die katholischen Bücher eingetragen. Eigene evangelische Bücher beginnen in Ramsau 1782, in Schladming 1783, anderswo später; einen Teil zeigt Matricula unter „Steiermark: Ev. Kirche A.B.“.
  • Herkunft nicht vermerkt: Ältere Trauungseinträge nennen den Herkunftsort der Brautleute nur manchmal, Sterbeeinträge meist gar nicht. Taufpaten helfen weiter, weil sie oft nahe Verwandte waren und aus dem Herkunftsort stammten.

Die wichtigsten Quellen im Überblick

Quelle was Zeitraum online?
Matricula, Diözese Graz-Seckau katholische Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher aller steirischen Pfarren Beginn (ab 1586) bis 1938, Taufen bis zur Sperrfrist ja, kostenlos
Matrikenkatalog Graz-Seckau Wegweiser je Pfarre: Bücher, Lücken, Indizes, Vorgängerpfarren Stand 2022 ja (PDF)
Zweitschriften im Diözesanarchiv jährliche Abschriften der Matriken 1835–1959 nein, nur in Ausnahmefällen
Matricula, Steiermark Ev. Kirche A.B. evangelische Matriken (Teil) je Gemeinde verschieden, frühestens 1782 ja
Steiermärkisches Landesarchiv evangelische Matriken der Reformationszeit in Graz 1567–1598 nein
Matricula, Erzdiözese Maribor Matriken der Untersteiermark ab 1597 ja, kostenlos
Standesämter staatliche Personenstandsbücher ab 1939 (Trauungen ab August 1938) nein

Häufige Fragen

Wo finde ich steirische Kirchenbücher online?

Auf Matricula unter „Österreich – Steiermark: Rk. Diözese Graz-Seckau“. Dort sind alle katholischen Pfarren der Steiermark bis 1938 kostenlos einsehbar.

Warum finde ich den Taufeintrag meiner Großmutter nicht online?

Taufbücher sind 100 Jahre gesperrt. Ist Ihre Großmutter vor weniger als 100 Jahren getauft worden, steht der Eintrag noch nicht online. Ab 1939 ist ohnehin das Standesamt zuständig.

Wie finde ich heraus, zu welcher Pfarre ein steirischer Ort gehörte?

Im Matrikenkatalog der Diözese Graz-Seckau. Er nennt für jede Pfarre die Vorgänger- und Nachfolgepfarren und welche Bücher erhalten sind.

Meine Vorfahren stammen aus Marburg oder Cilli – wo suche ich?

Im Erzdiözesanarchiv Maribor in Slowenien. Dessen Bücher sind ebenfalls auf Matricula, unter Slowenien. Die Orte sind dort mit slowenischem Namen verzeichnet (Maribor, Celje).

Kann ich die Originalbücher in Graz ansehen?

Nein. Weil alle Altmatriken digital vorliegen, werden die Originale nicht mehr vorgelegt. Im Diözesanarchiv können Sie die Digitalisate an Bildschirmen einsehen, nach Voranmeldung.

Meine Vorfahren waren evangelisch – wo stehen sie?

Bis 1849 meist auch in den katholischen Büchern. Daneben gibt es evangelische Bücher, in Ramsau ab 1782 und in Schladming ab 1783; einen Teil davon zeigt Matricula.

Nachbargebiete: Kärnten · Slowenien · Burgenland · Niederösterreich · Oberösterreich · Salzburg