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Meldezettel und Heimatrolle: alte Wohnadressen und Heimatgemeinde der Vorfahren finden

Wo haben die Großeltern gewohnt, und zu welcher Gemeinde gehörte die Familie? Diese Seite zeigt, wo Meldezettel, Heimatrollen und Staatsbürgerschaftsunterlagen heute liegen, was darin steht und wie Sie sie bei Archiven und Behörden anfragen – für die Generationen, die im Kirchenbuch noch gesperrt sind.

Kurz gesagt: Meldeunterlagen zeigen, wann jemand wo gewohnt hat. In Wien verwahrt das Stadt- und Landesarchiv die Meldeunterlagen von etwa 1904 bis 1975 und gibt auf Online-Antrag Auskunft, gegen Gebühr. In anderen Städten liegen sie teils im Stadtarchiv, teils im Meldeamt, in kleinen Gemeinden oft erst ab den 1950er-Jahren. Heimatrollen der Gemeinden verzeichneten bis zum Ende des Heimatrechts 1939 die Heimatberechtigten; die Wiener Heimatrolle, eine eigene Kartei aus den Volkszählungen, reicht von 1850 bis nach dem Zweiten Weltkrieg und liegt bei der Magistratsabteilung 35.

Was Meldeunterlagen verraten

Meldezettel und Meldekarteien halten fest, wer wann an welcher Adresse an- und abgemeldet war, oft mit einem Sterbevermerk. Damit lassen sich Umzüge verfolgen und die richtige Pfarre für eine Adresse finden. Für die Generation der Großeltern und Urgroßeltern sind sie besonders nützlich, weil deren Taufeinträge oft noch gesperrt sind – siehe Urkunden der Vorfahren bestellen.

Heute führt die Meldedaten das Zentrale Melderegister; es besteht seit 2002. Ältere Unterlagen liegen bei Gemeinden, Meldeämtern und Archiven.

Wien: Antrag beim Stadt- und Landesarchiv

Das Wiener Stadt- und Landesarchiv verwahrt die Meldeunterlagen der Bundespolizeidirektion Wien von etwa 1904 bis 1975, für Personen, die bis spätestens 1975 abgemeldet waren. Spätere, noch aufrechte Meldungen führt das Meldeservice der Stadt. So beschreibt die Stadt Wien das Verfahren:

  • Antrag: online, je Person ein eigenes Formular, höchstens fünf Personen gleichzeitig.
  • Angaben: vollständiger Vor- und Familienname und ein Merkmal wie Geburtsdatum, Beruf oder Wohnadresse; bei häufigen Namen zusätzlich Beruf (Männer) bzw. Geburtsort (Frauen). Wählen Sie den Zeitraum möglichst eng.
  • Wer Auskunft bekommt: Über die eigenen Daten erhalten Betroffene und Personen mit rechtlichem Interesse Auskunft. Daten Verstorbener und von Personen, die vor mindestens 110 Jahren geboren wurden, sind frei benutzbar; Meldedaten, die öffentlich waren – Wohnort, An- und Abmeldung, Sterbevermerk –, können auch sonst erteilt werden.
  • Kosten: 35 € je angefangener halber Stunde Arbeitszeit, auch wenn die Suche ergebnislos bleibt.
  • Dauer und Form: Auskunft innerhalb von zwei Monaten per E-Mail; die Originale kann man nicht einsehen. Ist keine Schutzfrist mehr aufrecht, kommen die Unterlagen digital.

Weitere Wiener Quellen – Lehmann-Adressbuch, Totenbeschauprotokolle, Pfarrsuche nach Adresse – stehen unter Ahnenforschung Wien.

Andere Städte und Gemeinden

Eine einheitliche Regel gibt es nicht. Nach der Erfahrung eines Wiener Berufsgenealogen liegen die Meldeunterlagen in Graz, Linz und Innsbruck teils im Stadtarchiv, teils im Meldeamt; in Salzburg die Unterlagen vor 2001 im Archiv, die späteren im Meldeamt; in kleineren Gemeinden im Meldeamt, oft erst ab den 1950er-Jahren überliefert. Das Österreichische Staatsarchiv verweist für solche Unterlagen allgemein auf die Archive der zuständigen Gemeinden und die Melderegister. Fragen Sie deshalb zuerst beim Gemeindeamt, ob und wo die alten Meldebücher erhalten sind.

Die Heimatrolle

Das Heimatrecht band eine Person bis 1939 an eine Gemeinde – mit Recht auf Aufenthalt und Versorgung bei Armut. Was ein Heimatschein im Familienbesitz verrät, steht unter Elternhaus ausräumen. Hier geht es um die Verzeichnisse der Behörden:

  • Heimatrolle der Gemeinden: Die Heimatrechtsnovelle von 1928 verpflichtete die Gemeinden, bis 30. Juni 1930 eine Heimatrolle anzulegen und laufend zu führen; sie wurde bis 1939 geführt. Sie verzeichnete Personenstand, Beruf, Wohnort, Abstammung sowie Grund und Datum des Erwerbs des Heimatrechts. Auf ihrer Grundlage stellten die Gemeinden Heimatscheine aus.
  • Wien: Anders als die Heimatrollen der Gemeinden, die mit dem Heimatrecht 1939 endeten, ist die Wiener Heimatrolle eine Kartei aus den Bögen der Volkszählungen; sie erfasste von 1850 bis nach dem Zweiten Weltkrieg die österreichischen Staatsangehörigen in Wien. Die handschriftlichen Karten, oft in Kurrent und nach dem Klang statt alphabetisch geordnet, liegen bei der Magistratsabteilung 35, die sie laut einem Bericht von 2025 digitalisiert.
  • Wo anfragen: Heimatrollen und Staatsbürgerschaftsevidenz liegen meist bei den Standesämtern der Gemeinden, in Wien bei der Magistratsabteilung 35.

Für die Forschung ist die Heimatgemeinde ein wichtiger Hinweis: Sie war nicht unbedingt der Wohnort und zeigt oft, woher eine Familie kam. Auch das Kriegsarchiv fragt sie für die Suche nach einem Soldaten ab, siehe Vorfahren im Ersten Weltkrieg.

Staatsbürgerschaft

Nach dem Ende des Heimatrechts dienten Heimatscheine noch viele Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg als wichtigster Nachweis der österreichischen Staatsbürgerschaft. Die Unterlagen dazu, die Staatsbürgerschaftsevidenz, liegen meist beim Standesamt der Gemeinde, in Wien bei der Magistratsabteilung 35. Für Auskünfte über Lebende gelten die Regeln des Datenschutzes; als Nachkomme legen Sie am besten Ihre Abstammung mit Urkunden dar.

Adressbücher als Ergänzung

Ohne Antrag zugänglich sind alte Adressbücher. Für Wien gibt es den Lehmann, siehe Ahnenforschung Wien. Der Nationalfonds der Republik Österreich stellt auf seinem Findbuch Adressbücher von Linz (1936, 1940), Salzburg (1942) und Innsbruck (1938, 1940) online.

So stellen Sie die Anfrage

  1. Zuständige Stelle klären: Gemeinde, Meldeamt, Stadtarchiv oder Landesarchiv.
  2. Genau sein: Name, Geburtsdatum, eine Adresse oder einen Beruf und einen engen Zeitraum angeben.
  3. Berechtigung zeigen: Bei jüngeren Daten die Abstammung mit Urkunden belegen; bei Verstorbenen einen Sterbenachweis beilegen, wenn vorhanden.
  4. Kosten vorher erfragen: Manche Stellen verrechnen nach Zeit, auch ohne Ergebnis.

Ein Beispiel mit einer erfundenen Familie: Alois Steiner zog 1910 nach Wien. Die Meldeauskunft des Stadtarchivs nennt drei Adressen bis 1938. Mit der ersten Adresse findet sich die zuständige Pfarre und dort die Taufe seiner ersten Tochter – mit Angaben zu Herkunft und Eltern der Eheleute, soweit der Pfarrer sie eintrug.

Häufige Fragen

Wie finde ich alte Meldezettel meiner Großeltern?

In Wien beim Stadt- und Landesarchiv (Meldeunterlagen etwa 1904–1975) mit Online-Antrag. Anderswo beim Gemeindeamt, Meldeamt oder Stadtarchiv; dort erfahren Sie, ob die alten Unterlagen erhalten sind.

Was kostet eine historische Meldeauskunft in Wien?

35 € je angefangener halber Stunde Arbeitszeit, auch wenn nichts gefunden wird.

Was ist eine Heimatrolle?

Das Verzeichnis der Heimatberechtigten einer Gemeinde, das die Gemeinden ab 1928/1930 anlegen und bis 1939 führen mussten. In Wien gibt es eine Heimatrolle, die bis 1850 zurückreicht und bei der Magistratsabteilung 35 liegt.

Wo bekomme ich Auskunft aus der Heimatrolle?

Meist liegen Heimatrollen beim Standesamt der Gemeinde, in Wien bei der Magistratsabteilung 35. Fragen Sie beim Standesamt nach, ob die Rolle Ihrer Gemeinde erhalten ist und wo sie liegt.

Ist die Heimatgemeinde der Geburtsort?

Nicht unbedingt. Das Heimatrecht hing an Abstammung, Heirat oder Aufnahme, nicht am Geburtsort. Gerade deshalb zeigt es oft die Herkunft der Familie.

Gibt es alte Adressbücher online?

Ja, etwa den Lehmann für Wien sowie Adressbücher von Linz, Salzburg und Innsbruck aus den Jahren 1936 bis 1942 beim Findbuch des Nationalfonds.

Ab den Großeltern übernehmen wir

Für unsere Ahnenlinie brauchen Sie keine Meldeauskunft: Es genügen Name, Geburtsdatum und Ort Ihrer Großeltern. Ab dort erforschen wir Ihre Linie in den Kirchenbüchern, über bis zu 8 Generationen ab Ihnen, jeder Eintrag mit Fundstelle.

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